Mainz (dapd-rps). Bislang war das Ritual in Mainz für Muslime nur weit entfernt von der Beerdigungsstätte möglich, nun hat sich das geändert:
Auf dem Mombacher Waldfriedhof wurde am Montag eine 'Gasilhane' eingeweiht, ein Gebäude für die rituelle Waschung der muslimischen Toten - ein bundesweites Vorzeigeprojekt.
Seit 1978 gibt es auf dem Waldfriedhof des Mainzer Stadtteils Mombach bereits ein muslimisches Grabfeld. Schon zweimal wurde es seitdem erweitert, rund 250 Muslime sind hier inzwischen bestattet. Pro Jahr finden hier nach Angaben der muslimischen Gemeinde etwa 20 Bestattungen statt, das Erfüllen der Totenrituale mit Waschung und dem anschließenden Totengebet vor dem aufgebahrten Verstorbenen war bisher allerdings recht umständlich: Nur an räumlich teilweise weit von einander entfernten Orten oder im Krankenhaus konnten die Rituale stattfinden.
Mit der 'Gasilhane' werde nun eine Lücke geschlossen, sagte der Mainzer Oberbürgermeister Jens Beutel bei der Einweihung des Gebäudes am Montag. Der auf rund 150 Quadratmetern errichtete Rundbau direkt neben dem Gräberfeld enthält einen Brunnen für die Fußwaschung der Gäste am Eingang, dazu einen Aufenthaltsraum und einen Raum für die rituellen Waschungen. Unter einem Dach ist zudem ein Musalla errichtet worden, zwei heilige Steine, auf denen der Tote aufgebahrt wird.
Den Wunsch für das Gebäude trug der langjährige Sprecher der muslimischen Gemeinde, Yilmaz Atalay, im Jahr 2005 an die Stadt heran. Rund fünf Jahre dauerte es, bis das 310.000 Euro teure Gebäude geplant und gebaut war. Dabei mussten die Vorstellungen der 27 muslimischen Gemeinde in Mainz auf einen Nenner gebracht werden.
'Ich als Frankfurter beneide Euch: Ihr habt hier in Deutschland etwas Einmaliges geschaffen', sagte der Bestattungsbeauftragte der muslimischen Ditib-Gemeinde in Frankfurt, Mehmet Karaaslan. 'Unsere Eltern kehren nicht mehr in die alte Heimat zurück, und wir von der zweiten Generation auch nicht - jetzt haben wir einen Platz, wo wir sie beerdigen können', sagte er gerührt. In Deutschland rede man 'immer von Integration, das hier ist das beste Beispiel'.
Auch Oberbürgermeister Beutel nannte die neue Trauerhalle 'ein Zeichen für den Wunsch und den Willen zur Integration.' Bei der Trauerhalle gehe es um weitaus mehr als um Räumlichkeiten oder Regeln, es gehe auch um die Art des Umgangs mit den Toten und um das Verständnis einer anderen Kultur. 'Dieses Projekt ist der schönste Beweis für Integration aus dem Herzen und der Seele', sagte Beutel. Die rituelle Totenwaschung und das Totengebet in einer Einheit gebe es seines Wissens nicht ein zweites Mal in Deutschland.
Dem widersprach allerdings Carlo Riva von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Rheinland-Pfalz (AGARP): Worms verfüge bereits seit zwei Jahren über eine solche Trauerhalle, und auch im Westerwald gebe es eine solche Einrichtung. Die Stadt Koblenz überlege derzeit ebenfalls, eine solche 'Gasilhane' einzurichten.
Riva zufolge wollen viele in Deutschland lebende Muslime der ersten Generation noch in ihrer alten Heimat bestattet werden. Doch mit der zweiten Generation ändere sich das langsam. Den Grund dafür erläuterte der Mainzer Yilmaz Atalay einmal so: 'Meine Kinder leben hier, meine Enkel leben hier, was soll ich in meiner alten Heimat bestattet werden?'
dapd


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