Moskauer Bevölkerung leidet weiter unter Smog: Die Moskauer Bevölkerung ächzt weiter unter dem durch zahllose Wald und Torfbrände verursachten stickigen Smog. Wind aus dem Südosten wehte unablässig Rauch in die von fast 15 Millionen Menschen bewohnte Hauptstadtregion, für die nach Angaben von Meteorologen kein Ende der seit Tagen andauernden schwersten Hitzewelle seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 130 Jahren in Sicht ist.
Vergrößern Moskauer Bevölkerung leidet weiter unter Smog | Bild: © ddp

Moskau/Berlin (apn).

Nicht nur die Temperaturen, auch die Schadstoffwerte bewegen sich in Moskau auf Rekordniveau. Die Belastung mit dem giftigen Kohlenmonoxid (CO) erreichte nach städtischen Angaben mehr als das Dreifache der normalen Konzentration.

Die Behörden haben in Krankenhäusern und Regierungsgebäuden nun 123 sogenannte Anti-Smog-Zentren eingerichtet. Gemeint sind Räume mit Klimaanlagen, zu denen die Bevölkerung Zutritt hat, «um ihren Atem zurückzukriegen», wie es ein Vertreter der Stadt am Sonntag ausdrückte. In den meisten Moskauer Wohnungen gibt es keine Klimaanlagen.

Sicht betrug teilweise weniger als 150 Meter

Die Sicht betrug nur noch wenige hundert Meter, in einigen Bereichen sogar weniger als 150 Meter. Rund 90 Flüge von und zu Moskauer Flughäfen wurden umgeleitet oder waren verspätet. Rund um die Hauptstadt wurden 49 Wald- und 14 Torfbrände registriert.

«Ich halte das nicht mehr aus», sagte ein 25-jährige Moskauerin, Anna Kosyrewa. «Meine Eltern haben die Stadt verlassen. Ich will nur noch normal atmen, aber wegen meiner Arbeit kann ich nicht weg.» Roman Morosow, ein 29-jähriger Architekt, sagte, man könne dem Smog nicht entrinnen: «Der Rauch ist überall - zu Hause, in Einkaufszentren, in der U-Bahn.»

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur ITAR-Tass wurde die Industrie in der Hauptstadtregion wegen des Smogs angewiesen, ihren Schadstoffausstoß um 40 Prozent zu verringern. Ärzte empfohlen den Einwohnern, in ihren Wohnungen zu bleiben, öfters zu duschen und nicht zu rauchen. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums mussten sich Hunderte Menschen wegen smogbedingter Beschwerden ärztlich behandeln lassen.

Löschflugzeuge aus dem Ausland eingetroffen

Ein Ende der ungewöhnlich langen Hitzewelle war nicht in Sicht: Die Temperatur in der Hauptstadtregion werde sogar wieder auf rund 40 Grad Celsius steigen, meldete ITAR-Tass unter Berufung auf den Wetterdienst Rosgidromet.

Nach Angaben des Ministeriums für Notlagen loderten am Samstag landesweit fast 600 Brände, die meisten davon im Westen Russlands. Bislang kamen mindestens 52 Menschen in den Flammen ums Leben, bis zu 2.000 Wohnhäuser wurden zerstört. Russische Behörden haben eingeräumt, dass die 10.000 zur Verfügung stehenden Feuerwehrleute nicht für die Brandbekämpfung ausreichten. Aus mehreren Ländern trafen Löschflugzeuge ein, das russische Fernsehen zeigte die Landung von italienischen Spezialmaschinen in der Samara-Region an der Wolga.

Deutschland schickte am Samstag als Sofortmaßnahme 100.000 Atemschutzmasken nach Moskau. Bundesinnenminister Thomas de Maizière reagierte damit auf die Bitte um Unterstützung der Katastrophenschutz-Behörde der Russischen Föderation, wie sein Ministerium in Berlin mitteilte.

Der russische Präsident Dmitri Medwedew spendete aus eigener Tasche 350.000 Rubel (9.000 Euro) für die Opfer der Feuersbrünste. Es wurde erwartet, dass weitere Spitzenpolitiker seinem Beispiel folgen, hieß es in einer Mitteilung des Kremls.

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