Stralsund (ddp). «Zwei Millionen Euro Lösegeld und zwei identische Fluchtfahrzeuge mit verdunkelten Scheiben, sonst ist ihre Chefin tot!» Mit dieser Aufforderung wird das Team um die junge Polizistin Nina Petersen, gespielt von Katharina Wackernagel, gleich zu Beginn des Thrillers «Stralsund - Mörderische Verfolgung» konfrontiert. Doch schnell wird den Ermittlern klar, dass es dem Entführer Wolf Broder (Alexander Scheer) nicht nur um Geld geht. Der gewaltbereite Mann will seinen inhaftierten Bruder Micha (Harald Schrott) freipressen. Daraus entwickelt sich ein spannendes Psychospiel, welches das ZDF am Montag (30. März, 20.15 Uhr) als «Fernsehfilm der Woche» zeigt.
Zwei Stunden sind vergangen, seit die Chefin der Polizeiinspektion Stralsund, Susanne Winkler (Kirsten Block), verschwunden ist. Nach einem Anruf hatte sie überhastet das Revier verlassen. Nun meldet sie sich zurück - als Sprachrohr des Geiselnehmers zur Polizei. Die geradlinige wie schlagfertige Nina übernimmt die parallelen Verhandlungen mit dem Täter und dessen älteren Bruder. Micha Broder sitzt wegen Versicherungsbetrugs und Totschlags eine fünfjährige Gefängnisstrafe ab und ist wenig begeistert, als er von Wolfs Erpressungsplan erfährt.
Als er jedoch hört, dass Kommissarin Winkler eine der Geiseln ist, wird er hellhörig. Sie war es nämlich, die ihn damals hinter Gitter brachte und sich während des Prozesses um seine Freundin Lisa (Bernadette Heerwagen) kümmerte. Und als Ort der Geiselnahme hat sich Wolf ausgerechnet die Versicherung ausgesucht, mit der Micha im Streit lag. Schließlich lenkt der große Bruder ein, und für Nina und ihren Kollegen Stefan Prinz (Janek Rieke) beginnt ein dramatisches Katz-und-Maus-Spiel um das Leben ihrer Chefin.
In einer subtilen Inszenierung ohne große Spezialeffekte und atemberaubende Stunts lässt Regisseur und Autor Martin Eigler («Solo für Schwarz») ein glänzendes Ensemble in überraschenden Wendungen und neuen Handlungssträngen an der Ostseeküste aufeinanderprallen. Insbesondere Wackernagel gerät als junge Polizistin Nina immer wieder in Konflikte, die zunehmend eskalieren. Im Angesicht des immensen Drucks ist sie es, die trotz aufkeimender Unsicherheiten und Kompetenzrangeleien Verantwortung übernimmt, klare Befehle erteilt und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen ausnahmslos erträgt.
«Ich mochte an der Figur, dass sie kein Drumherum hat und sich voll auf den Fall konzentrieren kann», beschreibt die preisgekrönte Wackernagel («Contergan»), die erstmals eine Kommissarin verkörpert. Niemand wisse, wie Nina wohne und ob sie einen Partner habe.
Vor Ninas Augen spiele sich ein wirkliches Drama ab. «Aber ich habe noch nie ein Drama gespielt, ohne emotional spielen zu dürfen», erklärt Wackernagel die richtige Entscheidung für die reduzierte Spielweise. Dennoch sei zu spüren, dass auch diese kontrollierte und hartnäckige Polizistin an ihre Grenzen stoße.
Diese Erfahrung macht auch Ninas Chefin, die den überwiegenden Teil des 90-Minüters an einen Stuhl gefesselt ist. Tatenlos muss Winkler zusehen, was um sie herum geschieht. Diesen Zustand nutzt Schauspielerin Kirsten Block famos, in dem sie das ganze Ausmaß der Katastrophe in ihre Mimik legt. Ausweglos ist ihre Lage in den Fängen zweier rachsüchtiger und unbarmherziger Brüder, die zu allem bereit sind. In Lisa findet Susanne ferner eine ebenbürtige Gegenspielerin, die einen nicht minder schweren inneren Kampf austragen muss.
Ninas ungewöhnliche Ermittlungsmethoden und ihre kluge psychologische Annäherung an Menschen bieten durchaus Stoff für weitere Fälle. Noch sei das nicht geplant, sagt Wackernagel, die einer Fortsetzung jedoch nicht abgeneigt wäre. «Ich würde auf jeden Fall weitermachen, wenn das Konzept genau so bleibt.»
(ddp/Foto: ZDF, Georges Pauly)

























