Mit Trommeln und Pfeifen gegen Fluglärm: Gegen Fluglärm und für einen Rückbau der neuen Landebahn haben am Samstag am Frankfurter Flughafen Tausende Menschen lautstark demonstriert.
Vergrößern Mit Trommeln und Pfeifen gegen Fluglärm | Bild: © dapd

Frankfurt/Main (dapd-hes). Der Ausbau des Rhein-Main-Flughafens habe die Grenze der Zumutbarkeit längst überschritten, erklärten Sprecher des Bündnisses der Bürgerinitiativen (BBI), das unterstützt von Parteien und Verbänden zu der Protestaktion aufgerufen hatte. Die Polizei schätzte die Zahl der Demonstranten am Samstag auf 6.000, die Veranstalter auf 10.000. Der Protest begann am Mittag im Terminal und endete vor dem Flughafengebäude mit einer Kundgebung.

Dem BBI seien inzwischen über 70 Bürgerinitiativen zwischen Mainz und Hanau beigetreten, erklärte Bündnissprecher Michael Wilk zu Beginn der Demonstration in der Abflughalle. Früher als geplant und in Absprache mit der Polizei setzten die Organisatoren die Veranstaltung schon am frühen Nachmittag im Freien fort, das Terminal war überfüllt. Die Demonstranten zogen in einem Protestmarsch vom Abflugbereich hinunter zur Ankunftsebene vor dem Flughafengebäude.

Mit Trommeln, Pfeifen und auf Plakaten forderten die Kundgebungsteilnehmer ein absolutes Nachtflugverbot zwischen 22.00 und 6.00 Uhr, eine Deckelung der Flugbewegungen und die Stilllegung der im Oktober eröffneten Nordwest-Landebahn. Die Veranstaltung war Teil eines bundesweiten Aktionstags gegen Fluglärm, zeitgleich gab es Proteste an den Flughäfen in Berlin, Leipzig, München und Düsseldorf.

Nach Angaben des Flughafens Frankfurt kam es bei der Passagierabfertigung zu keinen Störungen. 'Wir haben die Lage im Griff', sagte ein Sprecher auf Anfrage. Als Betreiber des Flughafens muss die Fraport die Kundgebung auch in ihrem Gebäude dulden. Das Bundesverfassungsgericht hatte vor einem Jahr bestätigt, dass das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit auch für den Flughafen gilt.

Mit Eröffnung der neuen Landebahn ist der Protest gegen den Ausbau des Flughafens angewachsen. Bewohner des Rhein-Main-Gebiets demonstrieren montagabends regelmäßig gegen den Lärm, zuletzt waren es nach BBI-Angaben 5.000 Menschen. Über ein ständiges Nachtflugverbot wird das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im März verhandeln. Derzeit darf nur vorübergehend in der Nacht nicht geflogen werden. 'Aber Gesetze kann man ändern', sagte auf der Kundgebung Thomas Norgall vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND).

Unterdessen äußerte die Fraport AG am Samstag Verständnis für die Sorgen der Anwohner im Rhein-Main-Gebiet. Die neue Landebahn Nordwest habe Probleme neu geschaffen oder verschärft, räumte der Vorstandsvorsitzende Stefan Schulte ein. 'Wir müssen die Sorgen und Klagen der Menschen ernst nehmen - und wir tun das auch.' Ziel müsse es sein, gemeinsam Lösungen zu finden, sagte Schulte.

In der kommenden Woche will der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) auf einem Fluglärmgipfel Pläne zur Reduzierung des Lärms vorstellen. In der Diskussion ist vor allem ein neues und leiseres Anflugverfahren. Der Regierungschef bekannte sich auf einer Klausurtagung der CDU in Wiesbaden jedoch klar zum Flughafenausbau. Er sei Grundlage für 'Tausende neue Arbeitsplätze', sagte er. Dies sei 'häufig nicht ganz ohne Belastungen möglich'. Dennoch werde die schwarz-gelbe Landesregierung alles tun, 'um den Fluglärm auf ein erträgliches Maß zurückzuführen', unterstrich Bouffier.

dapd