Friedberg (ddp-hes). Missmutig harren die rund 180 Neonazis in der Mittagshitze aus. Doch es geht einfach nicht voran: Hunderte Menschen haben am Samstag in Friedberg die geplante Demonstrationsroute der NPD blockiert. Nach drei Stunden rollen die Rechten frustriert ihre Fahnen wieder zusammen, trotten die wenigen Meter zurück zum Bahnhof. Die Gegendemonstranten jubeln und klatschen. «Wir haben gewonnen», ruft Cornelia Wenk vom Wetterauer Bündnis gegen Nazis. Die etwa 1200 Teilnehmer hätten den NPD-Aufmarsch in Friedberg friedlich verhindert. Die Neonazis fahren mit dem Zug nach Nidda weiter, doch auch hier kommen sie nicht über den Bahnhofsbereich hinaus.

Die NPD hat unter dem Motto «Deutsche wehrt euch - gegen Islamisierung und Überfremdung» am Samstag in der Wetterau gleich zwei Demonstrationen angemeldet: am Vormittag in Friedberg und am Nachmittag in Nidda. Doch das wollen die Bürger der beiden Städte nicht ohne Gegenwehr hinnehmen. Seit Wochen machen sie gegen den rechten Aufmarsch mobil. Der Friedberger Bürgermeister Michael Keller (SPD) sagt, dass er «stolz und dankbar» sei, dass sich so ein breites Bündnis zusammengefunden habe. «In einer Demokratie muss man zeigen, wofür man steht», betont er.

Als die Neonazis in Friedberg am Bahnhof ankommen, prangt dort ein riesiges Schild mit der Aufschrift «Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen». Die Gegendemonstranten stehen nur wenige Meter entfernt in Sichtweite. Sie strecken ihre Anti-Nazi-Plakate in die Höhe, empfangen die NPD-Anhänger mit Pfiffen und Buh-Rufen. Mitglieder der Satiregruppe Apfelfront machen sich lautstark über den rechten Aufmarsch lustig: Die Jugendlichen schwenken rote Fahnen mit einem Apfel in der Mitte und skandieren: «Was gibt der deutschen Jugend Kraft? Apfelsaft, Apfelsaft.»

Die Rechten gucken etwas irritiert, geben sich aber unbeeindruckt. Einige junge Männer mit Glatze und Sonnenbrille posieren für ein Gruppenfoto. Den Plakaten nach zu urteilen sind Neonazis aus Rheinland-Pfalz angereist, auch Anhänger von Kameradschaften sind vertreten. Einige haben Teile ihrer Tätowierungen unter braunem Klebeband versteckt, Springerstiefel und Bomberjacken sind auf der Demonstration verboten.

Als sich der Zug in Bewegung setzt, marschiert NPD-Chef Udo Voigt hinter einem Transparent in der ersten Reihe mit. Doch weit kommt der Trupp nicht. Hunderte Gegendemonstranten haben die Strecke blockiert: Eine Frau pustet Seifenblasen in die Luft, Jugendliche mit bunten Perücken trommeln auf Musikinstrumenten. Die Polizei fordert sie mehrfach auf, die Strecke freizumachen - doch nichts passiert. Im Gegenteil: Immer mehr Menschen strömen herbei.

Ein Polizeisprecher spricht von einem Dilemma. Auf der einen Seite sei das Versammlungsrecht zu gewährleisten, auf der anderen stehe die Frage: Ist es verhältnismäßig, die Straße mit Polizeigewalt zu räumen? Der NPD sei als Alternative eine verkürzte Route angeboten worden, doch das habe sie abgelehnt, sagt der Polizeisprecher. Der ursprünglich geplante Demonstrationsweg sollte auch in der Nähe der Friedberger Moschee vorbeiführen.

Stattdessen halten die NPD-Anhänger eine kleine Kundgebung mitten auf der Straße ab - umringt von etlichen Polizisten in Kampfmontur. Der Hubschrauber in der Luft knattert so laut, dass kaum ein Wort zu verstehen ist. Der hessische NPD-Landeschef Jörg Krebs knarzt ins Megafon: «Die Demonstration hatten wir uns natürlich etwas anders vorgestellt.» Mittlerweile werden einige der Nazis hungrig, packen ihre Brote aus. Sie singen noch das Deutschlandlied, dann geht es zurück zum Bahnhof. Doch auch in Nidda läuft es für die Neonazis nicht besser: Sie kommen nur wenige Meter weit, bis zu 500 Gegendemonstranten haben laut Polizei die Strecke blockiert.

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