Berlin (ddp). Migrantenfamilien stehen nach Einschätzung des Berufsverbandes Deutscher Psychologen (BDP) vor immer größeren Herausforderungen. Insbesondere der Versuch, sich in die Gesellschaft zu integrieren und gleichzeitig an den kulturellen Wurzeln festzuhalten, gestalte sich für viele Migrantenfamilien schwierig, sagte Haci-Halil Uslucan, Professor für Psychologie an der Helmut-Schmidt Universität Hamburg, der Nachrichtenagentur ddp.
In einer Studie stellte Uslucan fest, dass viele Familien große Probleme damit haben, die verschiedenen Kulturen bei der Erziehung ihrer Kinder miteinander zu vereinbaren. «Häufig sehen insbesondere muslimische Eltern die komplette Assimilation ihrer Kinder an deutsche Lebensverhältnisse als ihre größte Sorge an, denn sie befürchten dabei eine völlige kulturelle und religiöse Entfremdung ihres Nachwuchses», sagte Uslucan.
Durch die schnellere sprachliche und kulturelle Integration der Kinder sähen Migranten-Eltern ihre eigene Autorität sowie die Bindung an das Herkunftsland gefährdet. So entwickelten Familien türkischer Herkunft in Deutschland oft einen stärker behütenden und kontrollierenden Erziehungsstil als Familien in der Türkei. Für die Kinder stelle der Balanceakt zwischen den unterschiedlichen erzieherischen Impulsen oft eine Herausforderung dar, denn «sie müssen immer einschätzen, wie sie sich, je nach Situation und kulturellem Hintergrund, zu verhalten haben», sagte Uslucan.
Durch ihre schnellere Anpassung trieben die Kinder aber oft die Integration der eigenen Eltern voran: «Es gibt Erfahrungswerte, wonach die Kinder für die Eltern übersetzen, Erledigungen bei den Arbeitsämtern machen.» Dabei komme es vor, dass die Kinder ihre Eltern in die neue Gesellschaft hinein sozialisierten, sagte Uslucan. Ein Defizit seien aber nach wie vor die mangelnden Deutschkenntnisse. Vor allem das bürokratische Deutsch sei für viele Migranten eine enorme Hürde.
Um Sprachbarrieren der Kinder in der Schule zu überwinden, sei es nicht hilfreich, dass Migranten-Eltern mit ihren Kindern gebrochenes Deutsch zu Hause sprechen. Vielmehr plädiert Uslucan dafür, dass entweder die gesamte Familie Projekte für das Erlernen der deutschen Sprache besucht. Falls dies nicht möglich sei, sollten die Kinder im häuslichen Alltag ihre Muttersprache korrekt erlernen. Somit könne vermieden werden, dass Kinder «halbsprachig» aufwachsen.
Haci-Halil Uslucan kam 1973 aus der Türkei nach Deutschland.
ddp/prp/kos

























