Metro legt Kaufhof-Verkauf auf Eis: (Neu: Weitere Details und Stimmen)
Vergrößern Metro legt Kaufhof-Verkauf auf Eis | Bild: © dpa

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der milliardenschwere Verkauf der Warenhauskette Kaufhof ist geplatzt. Der neue Chef des Mutterkonzerns Metro , Olaf Koch, stoppte mit Verweis auf die Kapriolen an den Finanzmärkten auf der Zielgeraden die Gespräche mit den Bietern. Mit seiner ersten Entscheidung an der Spitze des Dax-Unternehmens sorgte er am Dienstag für große Überraschung. Ob die 20.000 Kaufhof-Mitarbeiter nach langer Ungewissheit über den Eigentümer aufatmen können, ist unklar. Er behielt sich vor, die Gespräche später wieder aufzunehmen. Koch will zudem "Ertragspotenzial" bei der Warenhauskette heben. Details dazu lieferte er zunächst noch nicht. Die Metro-Aktie legte um gute vier Prozent zu und war zeitweise an der Dax-Spitze.

"Die aktuelle Lage am Kapitalmarkt bietet keine geeigneten Rahmenbedingungen für eine so wichtige Transaktion", sagte Koch in einer Mitteilung des Unternehmens. Der Konzern habe zudem immer betont, dass ein Verkauf das Potenzial von Kaufhof reflektieren müsse. Der Metro-Chef ist erst seit gut zwei Wochen im Amt ist, kennt den Kaufhof allerdings bestens. Bereits in seiner Zeit als Finanzvorstand der Metro saß er im Aufsichtsrat der Warenhauskette.

KAUFHOF SEIT JAHREN AUF VERKAUFSLISTE

Den Verkaufsprozess hatte Koch freilich von seinem Vorgänger Eckhard Cordes geerbt, der Ende 2011 bei der Metro ausschied. Dieser hatte die Tochter erstmals 2008 auf Brautschau geschickt. Wegen der Finanzkrise kam aber schon damals kein Verkauf zustande. 2011 machte die Metro dann einen erneuten Anlauf und konnte gleich mehrere Angebote von interessierten Bietern einsammeln.

Nach Informationen von dpa-AFX hatte der Unternehmer René Benko mit seiner österreichischen Immobilienholding Signa 2,1 Milliarden Euro für Kaufhof geboten. Darüber hinaus hatte Karstadt-Eigner Nicolas Berggruen zusammen mit dem Investor Blackstone ein Angebot vorgelegt. Seit Jahren wird in der Branche über ein Zusammengehen der gleich großen Warenhausketten Kaufhof und Karstadt diskutiert. Zu guter Letzt hatte sich der frühere KarstadtQuelle-Chef Wolfgang Urban mit einem Konsortium im Rücken im vergangenen Jahr als Kaufhof-Käufer ins Spiel gebracht.

ÜBERRASCHUNG ÜBER ABBRUCH DER GESPRÄCHE

Bei den Bietern zeigte man sich von dem Abbruch der Gespräche überrascht. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", kommentierte Benko das Vorgehen der Metro. Der Unternehmer betonte genauso wie Berggruen weiterhin Interesse an der Warenhauskette zu haben. Aktionärsschützerin Jella Benner-Heinacher von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) hält eine Trennung von Kaufhof in den nächsten ein bis zwei Jahren nun für unwahrscheinlich. Die DSW-Geschäftsführerin geht zudem davon aus, dass die Metro bis auf Weiteres alle Töchter behalten wird. Das gilt auch für die Supermarktkette Real, deren Verkauf vom früheren Metro-Management in der Vergangenheit immer wieder als Option genannt wurde.

Die Metro kündigte an, weiterhin in den Kaufhof zu investieren zu wollen. Bereits jetzt fließt jährlich ein dreistelliger Millionenbetrag in die Warenhauskette, von dem beispielsweise die Renovierungsarbeiten an den Häusern bezahlt werden. Koch will eigenen Angaben zufolge den Wert von Kaufhof weiter steigern. Wie genau das geschehen soll, ließ er offen.

UMSATZ GEHT ZURÜCK

Nach vorläufigen Berechnungen schrumpfte der Umsatz des Kaufhof im vergangenen Jahr um 3,7 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Schuld daran hatte vor allem das ungünstige Wetter, das den Verkauf von Saisonware erschwerte. Zudem hatte der Konzern Technikartikel aus dem Kaufhof-Sortiment genommen. Analysten wie Christoph Schlienkamp vom Bankhaus Lampe erwarten, dass auch die Ertragsstärke des Kaufhof im vergangenen Jahr gelitten hat. Auskunft darüber wird die Metro aber erst bei ihrer Bilanzvorlage am 20. März geben.

Im Gesamtkonzern sanken die Erlöse 2011 um 0,8 Prozent auf 66,7 Milliarden Euro. Angesichts der Staatsschuldenkrise und der hohen Arbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas hielten sich die Verbraucher mit Käufen zurück. Auch das für den Handel so wichtige Weihnachtsgeschäft verlief bei der Metro nach eigener Aussage enttäuschend. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (EBIT) wird deshalb auch leicht unter den im Vorjahr erzielten 2,4 Milliarden Euro ausfallen.