DJ UPDATE: Gläubiger stimmen Karstadt-Insolvenzplan zu (NEU: Abstimmung, weitere Aussagen Görgs) Von Natali Schwab DOW JONES NEWSWIRES
ESSEN (Dow Jones) Die Gläubigerversammlung hat den Insolvenzplan der Karstadt Warenhaus GmbH angenommen. Die verschiedenen Gläubigergruppen stimmten dem Plan mit großer Mehrheit zu. Nun müssen noch die Vertreter der Städte und Gemeinden ihre Zustimmung geben, wozu sie bis zu sechs Wochen Zeit haben. Zudem muss noch das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan genehmigen. Als Verkündigungstermin wurde der 31. Mai festgelegt. Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg zeigte sich nach der Abstimmung zufrieden und sprach von einer Zustimmungsquote "nahe 100%". Zuvor hatte er auf der Versammlung noch einmal für den Plan geworben. "Unsere erste Aufgabe ist es, Karstadt zum Weiterleben zu bringen", sagte er. Ziel ist es, Karstadt als Ganzes zu verkaufen und zu sanieren. Bei einem Scheitern droht dem Warenhauskonzern, der zur insolventen Arcandor-Gruppe gehört, die Zerschlagung. Im schlechtesten Fall könnte am Ende auch eine Liquidation stehen, hatte Görg gewarnt. Eine nachträglich in den Insolvenzplan eingefügte Klausel verschafft dem Insolvenzverwalter nun mehr Raum. Für die Abgabe von Kaufangeboten für den Warenhauskonzern wurde eine Frist bis zum 23. April gesetzt. Bis zum 30. April soll der Kaufvertrag unterschrieben werden. Die Klausel sieht nun die Möglichkeit vor, dass sich Gläubigerausschuss und Insolvenzverwalter auf eine Modifizierung der Frist einigen können, sollte dies notwendig werden, zum Beispiel bei möglichen Kartellfragen oder anderen aufschiebenden Bedingungen. Auch die derzeitige Kopplung von Insolvenzplan und Verkauf kann demnach modifiziert werden. Der Liquidationszwang wäre bei einem Nichtzustandekommen des Vertrages sonst automatisch eingetreten, möglicherweise nur wegen Formalien, sagte Görg vor Journalisten. "Diesen Automatismus haben wir beseitigt." Angestrebt wird jedoch weiter ein Kaufvertrag bis zum 30. April, um die Sanierung von Karstadt nicht zu verzögern. Über den Stand der Gespräche oder mögliche Interessenten wollte sich Görg nicht äußern. Seit Februar ist der Datenraum geöffnet. In den vergangenen Wochen habe es "aussichtsreiche Gespräche" mit potenziellen Investoren gegeben, berichtete Görg lediglich. In der Vergangenheit war von sechs Interessenten, alles Private-Equity-Gesellschaften, die Rede. Früheren Spekulationen zufolge soll es sich um Apollo, Pamplona, den Neckermann-Eigner Sun Capital sowie die Texas Pacific Group, Permira oder Blackstone handeln. Wie ernsthaft das Interesse der Investoren wirklich ist, ist unbekannt. Findet sich kein Investor, dürfte nichts anderes übrig bleiben, als Karstadt zu zerschlagen und in Einzelteilen zu verkaufen. Deutschlands größter Handelskonzern, die Metro AG, ist nicht im Bieterprozess vertreten, da die Düsseldorfer an einer Komplettübernahme nicht interessiert sind. Görg erklärte, derzeit gäbe es keine Gespräche mit Metro. Zuletzt waren wieder Gerüchte aufgekommen, ob es nach einem Verkauf von Karstadt doch noch zu einer bereits mehrfach angedachten Fusion mit der ebenfalls zum Verkauf stehenden Metro-Tochter Kaufhof kommen könnte. Karstadt geht mit 120 Häusern und rund 25.000 Mitarbeitern in den Insolvenzplan. 13 Filialen wurden bis zum Ende des ersten Quartals geschlossen, rund 900 Mitarbeiter entlassen. Die Voraussetzung für eine Rettung Karstadts sind nach Aussagen des Insolvenzverwalters günstiger als bei dem ebenfalls zum Arcandor-Konzern gehörenden Versandhändler Quelle, dessen Rettung gescheitert war. So fließe bei Karstadt im Gegensatz zu Quelle jeden Tag Geld in die Kassen, sagte Görg. Es sei gelungen, Karstadt sowohl bei Umsatz und Ergebnis zu stabilisieren, sagte der Insolvenzbeauftragte für Karstadt, Rolf Weidemann. Das Unternehmen schreibe schwarze Zahlen, fügte der Sprecher des Insolvenzverwalters, Thomas Schulz, hinzu. Die liquiden Mittel bezifferte die Insolvenzverwaltung aktuell mit 195 Mio EUR, per 31. Dezember 2009 waren es rund 220 Mio EUR. Laut Insolvenzplan sollen die Gläubiger 3% auf den Rest ihrer Forderungen erhalten. Die Sanierungsbeiträge der verschiedenen Gläubigergruppen - insbesondere der Arbeitnehmer, Vermieter, Logistik- und IT-Dienstleister oder des Pensions-Sicherungs-Vereins - belaufen insgesamt auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. Allein die Arbeitnehmer hatten sich bereit erklärt, 150 Mio EUR durch Verzicht auf Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie tarifliche Vorsorgeleistungen beizusteuern. Der Insolvenzplan kalkuliert mit Forderungen von 2 Mrd EUR. Insgesamt wurden bislang Forderungen im Volumen von 2,7 Mrd EUR angemeldet. 480 Mio EUR haben die Finanzbehörden angemeldet. -Von Natali Schwab, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 119, consumer.de@dowjones.com DJG/nas/has Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de
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