Berlin (ddp). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist die Wiedervereinigung bis zum Fall der Mauer im November 1989 wie ein ferner Traum erschienen. «Ich habe immer an die Einheit Deutschlands geglaubt, aber nicht unbedingt zu meinen Lebzeiten damit gerechnet», sagte die CDU-Vorsitzende in einem am Sonntag vorab veröffentlichten Interview der Zeitschrift «Super Illu». «Wenn ich mich damals mit gleichaltrigen Russen aus der Sowjetunion darüber unterhalten habe, so waren sie davon überzeugt, dass Deutschland bald schon wiedervereinigt werden würde», erinnerte sie sich an DDR-Zeit. «Das konnte ich mir in dieser Geschwindigkeit nicht vorstellen.

Meine Lebensperspektive, da bin ich ganz ehrlich, hat das Anfang 1989 noch nicht so gesehen», betonte Merkel. Da habe sie sich eher wie so viele darauf gefreut, dass sie mit 60 als Rentnerin endlich frei reisen können würde.

Merkel war beim Fall der Mauer 35 Jahre alt und als Physikerin am Zentralinstitut für Physikalische Chemie der Akademie der Wissenschaften der DDR beschäftigt. «Ich habe mich gefreut, wenn es wissenschaftliche Tagungen gab, an denen Kollegen aus den USA, aus Großbritannien oder Westdeutschland teilgenommen haben. Aber ich hatte mich weitestgehend damit abgefunden, dass sich mein Reise-Radius im Wesentlichen auf das sozialistische Ausland beschränken würde», erinnerte sich die Bundeskanzlerin. Mit dem Fall der Mauer sei ihr aber klar geworden, dass es «keinen irgendwie gearteten Sonderweg» geben könne, sondern die Einheit Deutschlands «mit einer vorhersehbaren Zwangsläufigkeit» kommen müsse. «Und darauf habe ich mich sehr gefreut», sagt die Bundeskanzlerin.

Merkel räumte jedoch ein, dass die Generation der damals über 40-Jährigen «einen hohen Preis» dafür gezahlt habe, dass die DDR so schlecht gewirtschaftet habe. «Ganz ausgleichen konnten wir diesen Start-Nachteil nicht», betonte die CDU-Politikerin. Gleichzeitig sei sie jedoch immer wieder begeistert, wenn sie die Generation der heute 20-Jährigen sehe, «mit welcher Selbstverständlichkeit sie in das vereinte Deutschland innerhalb eines geeinten Europa hineinwachsen und ihre Möglichkeiten nutzen». Merkel zieht darum insgesamt eine positive Bilanz: «Die Ostdeutschen haben in den zurückliegenden 20 Jahren unheimlich viel geleistet. Insofern können wir jetzt unterm Strich auf zwei erfolgreiche Jahrzehnte deutscher Geschichte zurückblicken.»

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