DJ XETRA-SCHLUSS/Schwach - Gute US-Daten verstören den Markt FRANKFURT (Dow Jones) Mit schwacher Tendenz hat sich der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag aus dem Handel verabschiedet. Der DAX verlor 1,5% oder 85 auf 5.702 Punkte. Schwache US-Börsen zogen den Markt nach unten, der marktführende S&P500-Index war dort durch die wichtige Marke von 1.100 Punkten gefallen. Händler sprachen von breit gestreuten Verkäufen, jedoch mussten besonders die am Vortag gesuchten konjunktursensitiven Titel Abschläge hinnehmen. Infineon brachen nach Geschäftszahlen ein, Merck litten unter negativen Studienergebnissen. Umgesetzt wurden in DAX-Titeln auf Xetra rund 124,9 (Vortag: 91,1) Mio Aktien im Wert von rund 2,56 (Vortag: 2,85) Mrd EUR. Händler führten die Verluste auch auf die besseren Konjunkturdaten aus den USA zurück. "Mit guten Konjunkturnachrichten kann gerade keiner umgehen - das verstört den Markt", sagte ein Händler. Schließlich sei der Kursaufschwung in Europa großenteils von sogenannten "Carry-Tradern" gespeist worden. Diese hätten ihre Dollar-Kredite in Aktien und Rohstoffen außerhalb des Dollar-Raums angelegt. Bessere US-Konjunkturdaten weckten bei ihnen die Sorge vor einer Exit-Politik der Notenbanken aus der Quasi-Nullzinspolitik. Grund dafür gab vor allem der Anstieg des Philadelphia-Fed-Index, dem Konjunkturbarometer der Notenbank von Philadelphia. Der Index stieg auf 16,7 nach 11,5 im Oktober und lag damit deutlich über der Erwartung von 12,0 Indexpunkten. Auch die wichtige Komponente der Auftragseingänge fiel besser als erwartet aus. Zudem brachten auch die wöchentlichen US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe keine negative Überraschung. Mit einem unveränderten Stand wurden die Daten nahe der Erwartung von plus 4.000 veröffentlicht. Positiv aufgenommen wurde der Rückgang der laufenden Anträge ("Continuing Claims") um 39.000 auf nunmehr 5.611.000 Anträge. Technische Analysten hoffen nun, dass der DAX die Unterstützung bei 5.700 Punkten verteidigen kann. Merck verloren 2,4% auf 64,04 EUR, nachdem das Medikament "Erbitux" nicht von der CHMP empfohlen wurde. Das für die Empfehlung zuständige Committee for Medicinal Products for Human Use (CHMP) vermeldete am späten Donnerstag, dass es eine "negative Meinung eingenommen hat" gegenüber der Verwendung von Erbitux gegen Lungenkrebs. Infineon brachen sogar um 7,2% auf 3,21 EUR ein, obwohl die Geschäftszahlen im Handel positiv aufgenommen wurden. Der Halbleiterhersteller hat im letzten Quartal des Geschäftsjahrs 2008/09 bei gestiegenem Umsatz wieder profitabel gewirtschaftet. Für das neue Geschäftsjahr rechnet Infineon sogar mit einem zweistelligen Umsatzwachstum und einem positiven Segmentergebnis. Den Kurseinbruch führten Händler jedoch auf eine belastende Branchenstudie von BoA-Merrill Lynch für alle Chip-Werte zurück. Dies sorgte auch an der US-Technologiebörse Nasdaq für kräftige Verkäufe. Commerzbank verloren mit einer belastenden Studie durch Unicredit 2,9% auf 6,81 EUR. Die Analysten haben die Bank mit "Sell" bewertet. Lufthansa litten unter schwachen Zahlen des Wettbewerbers Air France-KLM. Die Fluggesellschaft hat im zweiten Quartal mehr Verlust und weniger Umsatz gemacht als erwartet. "Das ist ein Branchenproblem", so ein Händler. Lufthansa fielen um 2,9% auf 10,79 EUR. Kursverluste mussten auch alle zyklischen Werte verzeichnen, die in den vergangenen Tagen zu den größten Gewinnern gezählt hatten. So fielen unter den Stahlwerten ThyssenKrupp um 1,6% auf 24,50 EUR und Salzgitter um 2,5% auf 63,03 EUR. Bei den Autowerten gaben Daimler um 1,9% auf 35,31 EUR nach, Siemens um 1,8% auf 65,30 EUR. Deutsche Telekom verloren 1,3% auf 9,55 EUR, nachdem sie das als vergleichsweise margenstark geltende Webhosting-Geschäft "Strato" für 275 Mio EUR von freenet übernommen haben. Im TecDAX fielen freenet um 2,2% auf 9,50 EUR. United Internet gaben um 4,5% nach auf 9,04 EUR, nachdem das Unternehmen wider Erwarten nicht als Käufer von Strato zum Zuge gekommen. Hochtief gaben mit der Schwäche europäischer Bauwerte 2,2% nach auf 55,32 EUR. Sehr positiv werteten Händler jedoch die Ankündigung des Börsengangs der Hochtief-Tochter Concessions. Die Preisspanne für Concessions ist mit 24 bis 29 EUR angesetzt. Der Emissionserlös, der Hochtief zufließen wird, werde dann zwischen 860 Mio EUR und 1 Mrd EUR, rechnete ein Händler hoch. Unter den anderen MDAX-Werten gaben auch die Konjunkturzykliker am deutlichsten nach. So fielen Klöckner um 4,6% und Gea um 4,3%. Lanxess gaben nur 0,2% ab auf 23,96 EUR nach einem auf 30 EUR von 28 EUR angehobenen Kursziel durch Morgan Stanley. DJG/mod/raz Besuchen Sie auch unsere Webseite http://www.dowjones.de

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