Ragow (dapd-bln).
'Gerade haben wir mit unseren Volksvertretern Haushaltsmittel zur Prüfung einer Klage gegen die Routenfestlegung eingestellt', sagt Buße. Die 40-Jährige sitzt für Ragow in der Fluglärmkommission und hat sich - wie auch die anderen Gemeindevertreter aus Berlin und Brandenburg - zur Spezialistin entwickelt. Sie referiert sachkundig über Steiggradienten, Flugverfahren, Funkfeuer und Luftfahrtverordnungen - auch dank der Beratung durch den ehemaligen Fluglotsen Achim Lorber.
Dabei übt Buße das Amt der Ortsvorsteherin nur ehrenamtlich aus. Privat ist die Ehefrau und Mutter zweier Kinder als Malerin den schönen Künsten zugetan. Sie wurde in Hamburg geboren und wuchs im Berliner Stadtteil Lichtenrade auf.
Nach Ragow kam ihre kleine Familie 1994. Seit 1995 gibt es ein Haus, kurz darauf wurde Boden hinzu gekauft. 'Wir sind bewusst in den Speckgürtel von Berlin gezogen, raus aus der Stadt', erinnert sie sich. 'Uns war klar, dass wir in dieser Nähe zum (alten) Airport Schönefeld nicht gänzlich von Flugbewegungen verschont bleiben.' Im Gegenteil - weil ihr Mann, ein Finanzfachmann, oft in Frankfurt am Main zu tun hatte, wurde er selbst zum regelmäßigen Flugpassagier.
'Allerdings haben wir uns damals auch Pläne angeschaut, was kommen könnte, wenn ein neuer Flughafen entsteht', sagt Buße. Nirgends, auch nicht in den späteren Planfeststellungsunterlagen, seien Strecken über Ragow (1.800 Einwohner) und den Gemeindeverbund Mittenwalde mit rund 10.000 Einwohnern zu ahnen gewesen.
Mehr noch: Die heute als Entlastung für Zeuthen und Eichwalde gepriesene Hofmannkurve bei Ostabflügen von der künftigen Südbahn habe erst recht niemand voraussehen können. 'Ein Pilot sagte uns damals, fliegerisch geht das nicht', betont Buße. Genau diese 'scharfe' Kurve aber ist seit dem 26. Januar festgelegt. Sie führt Flugzeuge unterhalb von Wildau über die A 10 gen Osten - oder eben genau zwischen Mittenwalde und Ragow hindurch.
Der Korridor ist nicht breit. Flugzeuge fliegen dort in einer Höhe von knapp 1.000 Metern, sagt Lorber. Und Buße warnt: 'Abwarten, ob die Piloten die Linie auch einhalten.' Beide sind sich sicher, dass die Hofmannkurve gar nicht hätte genehmigt werden dürfen.
Zur Begründung zieht Lorber Berechnungen für den Funkturm Königs Wusterhausen heran. Das historische Bauwerk wird nach Ansicht von Buße und Lorber künftig viel zu niedrig überflogen. Das gehe aus den Unterlagen des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BAF) hervor. Die sogenannte Hofmannkurve, die sich vor dem Schönefelder Kreuz teilt und östlich nach Wildau sowie Königswusterhausen oder südlich nach Ragow verläuft, sei also nicht gesetzeskonform, lautet das Resümee der beiden Kritiker.
Indirekt bestätigt fühlen sich Buße und Lorber seit dem 30. Januar: Nach einer Sitzung der Fluglärmkommission räumte BAF-Direktor Nikolaus Herrmann ein, dass als Basis für die Hofmannkurve zwei verschiedene rechtliche Regelungen zur Anwendung kamen - ein Grund mehr für die junge Ortsvorsteherin, den Kampf für ein flugroutenfreies Ragow aufrecht zu erhalten.
dapd


Forum
Facebook
Twitter





















