Luthardt - Weiterer Stasi-Fall bei Brandenburger Linke: Abgeordneter Luthardt diente im Wachregiment des MfS - Weitere Stasi-Kontakte unklar In der Brandenburger Linksfraktion sitzt ein weiterer Abgeordneter mit einer bislang offenbar nicht veröffentlichten Stasi-Verstrickung. Der Forstingenieur Michael Egidius Luthardt habe von 1977 bis 1980 dem Wachregiment «Feliks Dzierzynski» beim Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR angehört und möglicherweise auch danach für die Stasi gearbeitet, berichteten Medien am Mittwoch.
Vergrößern Luthardt - Weiterer Stasi-Fall bei Brandenburger Linke | Bild: ©

Dem RBB-Fernsehen bestätigte Luthardt, dass er beim Wachregiment war. Er bestritt jedoch jeglichen weiteren Kontakt mit dem MfS. Am späten Nachmittag wollte die Linksfraktion nach einem Gespräch mit Luthardt die Öffentlichkeit informieren.

Eine Fraktionssprecherin räumte ein, dass Luthardt 2008 bei seiner Nominierung als Kandidat für die Landtagswahl 2009 seinen Dienst bei dem Regiment auch seinem Kreisverband Barnim mitgeteilt habe. Parteichef Thomas Nord sagte hingegen, er habe nichts von einem Dienst Luthardts beim Wachregiment gewusst. Luthardt sei erst vor zwei Wochen Mitglied der Linken geworden. Bei der Landtagswahl sei er als Direktkandidat angetreten. Da er nicht auf der Landesliste der Linken kandidierte, habe er sich auch nicht bei einem Parteitag vorgestellt.

Nord fügte hinzu, er kenne keine Unterlagen, die eine Tätigkeit Luthardts für die Stasi belegten. Die veröffentlichten Medienberichte enthielten nur Spekulationen der Stasi-Unterlagenbehörde. Es sei schon «eigenartig», mit welchen Mutmaßungen an die Öffentlichkeit gegangen werde - im Wissen darum, welche Wirkung das habe.

Auch SPD-Fraktionssprecher Thomas Kralinski sagte: «Wir haben mittlerweile den Eindruck, hier wird eine Treibjagd veranstaltet. Das verhindert aber eine vernünftige Aufarbeitung der Geschichte.» Die SPD wolle sich nun zunächst anhören, was Luthardt zu den Vorwürfen zu sagen habe.

Eine Tätigkeit beim Wachregiment schließe ja nicht eine Arbeit im öffentlichen Dienst aus, fügte Kralinski hinzu und verwies auf Einschätzungen von Stasi-Landesbeauftragten anderer Länder, wonach ein Dienst beim Wachregiment nicht als MfS-Zugehörigkeit zu werten sei.

Tatsächlich ist bislang unklar, ob Luthardt nach seinem Dienst beim Wachregiment mit der Stasi zusammengearbeitet hat. Der «Berliner Morgenpost» (Donnerstagausgabe) zufolge ist die Kaderakte von Luthardt nach Beendigung des Dienstes im Wachregiment nicht archiviert worden. Das sei ungewöhnlich und deute laut Experten darauf hin, dass der heutige Abgeordnete weiterhin für die Stasi tätig gewesen sein könnte. Die Birthler-Behörde vermute, dass Teile der Unterlagen vernichtet worden sind.

Angehörige des Wachregiments «Feliks Dzierzynski» mussten dem Bericht zufolge gegenüber dem MfS eine förmliche Verpflichtungserklärung abgeben. Laut Stasi-Unterlagengesetz gelten sie als hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter. Wer beim Wachregiment diente, hatte auch eine Kaderakte, die nach Beendigung des Dienstes normalerweise geschlossen und archiviert wurde.

Auf seiner Internetseite michael-luthardt.de schreibt der Abgeordnete, er sei mit 18 Jahren «aus voller Überzeugung für den menschlichen Sozialismus» in die SED eingetreten. Erste «Dämpfer» habe diese Überzeugung «während des dreijährigen Wehrdienstes beim Wachregiment» erhalten. Nach der Wende 1990 sei er aus der SED-PDS ausgetreten.

Im Herbst 2008 trat Luthardt nach eigenen Angaben erstmals für die Linke zu einer Wahl an und holte ein Mandat im Kreistag Barnim. Sein Landtagsmandat gewann er im September direkt. Der Forstwissenschaftler hatte Anfang der 90er Jahre das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin mit aufgebaut und war bis Mitte 2009 Referatsleiter Waldökologie im Umweltministerium.

(ddp/Foto: Die Linke)