FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Unruhen in Nordafrika, die Atom-Katastrophe in Japan und teures Kerosin bremsen auch weiterhin den Höhenflug der Lufthansa . Dennoch bleibt der Vorstand optimistisch. "Wir sind auf einem gutem Weg, unser letztjähriges operatives Ergebnis zu übertreffen", sagte Finanzchef Stephan Gemkow bei der Vorlage des Zwischenberichts am Donnerstag in Frankfurt. Obwohl die Krisen Europas größte Fluggesellschaft im laufenden Jahr mit 200 Millionen Euro belasten könnten, erwartet der Manager damit weiterhin einen operativen Gewinn von mehr als 876 Millionen Euro. Dazu beitragen sollen der eingeschlagene Sparkurs und eine Erholung auf den Japan-Strecken.
Die Aktie des Dax-Konzerns blieb an der Börse im Sinkflug. Am frühen Nachmittag notierte das Papier mit 3,04 Prozent im Minus bei 14,035 Euro und gehörte damit zu den schwächeren Werten im Leitindex. Analysten hatten vor allem beim operativen Gewinn deutlich mehr erwartet.
KRISEN BELASTEN
Im ersten Halbjahr wuchs der Konzernumsatz um elf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro. Nachdem die Lufthansa im ersten Quartal tief in die roten Zahlen geflogen war, gelang ihr nach sechs Monaten mit einem operativen Ergebnis von drei Millionen Euro knapp die Rückkehr in die Gewinnzone. Ein Jahr zuvor hatten die Flugausfälle nach dem Vulkanausbruch in Island der Gesellschaft ein kräftiges Minus eingebrockt. Dieses Mal belasteten die Krisen in Japan, Nordafrika und Nahost die Lufthansa operativ mit 117 Millionen Euro.
Unter dem Strich steckte die Lufthansa sogar mit 206 Millionen Euro in der Verlustzone - doppelt so tief wie ein Jahr zuvor. So musste der Konzern den Zeitwert von Optionsgeschäften nach unten korrigieren, mit denen er seine Einkaufspreise für Kerosin abgesichert hatte. Im zweiten Quartal konnte er dieses Minus nur teilweise wettmachen. Gemkow kritisierte erneut, dass sich die positive Wirkung der Absicherungsgeschäfte wegen der geltenden Bilanzierungsregeln in der Gewinn- und Verlustrechnung nicht niederschlage. Obwohl dies die Prognose für einen Nettogewinn erschwert, gab sich der Manager zuversichtlich, den Aktionären für 2011 eine Dividende zahlen zu können.
FRACHT BOOMT
Unterdessen federten das boomende Frachtgeschäft sowie die Bereiche Technik, Computersysteme und Bordverpflegung die roten Zahlen der Passagiersparte ab. Lufthansa Cargo erreichte mit einem operativen Gewinn von 133 Millionen Euro fast ihren Rekordwert aus dem Vorjahr. Als einzige Passagier-Fluglinie im Konzern konnte die Schweizer Tochter Swiss schwarze Zahlen vorweisen. Die Fluglinien unter der Marke Lufthansa sowie die Töchter Austrian Airlines (AUA), British Midland (BMI) und Germanwings zogen das Passagiergeschäft jedoch ins Minus.
TEURER TREIBSTOFF
Dem steigenden Ölpreis kann sich die Lufthansa trotz ausgeklügelter Optionsgeschäfte nicht ganz entziehen. Insgesamt musste der Konzern im ersten Halbjahr gut drei Milliarden Euro für Treibstoff ausgeben, fast ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr rechnet Finanzchef Gemkow jetzt damit, dass die Treibstoffkosten auf 6,4 Milliarden Euro steigen. Im Vorjahr waren 5,2 Milliarden Euro angefallen.
Neben BMI und AUA müssen auch die Fluglinien unter der Marke Lufthansa den Gürtel enger schnallen. Im chronisch defizitären Europaverkehr will Gemkow bis zum Jahr 2013 die Gewinnschwelle erreichen. Durch Einsparungen in der Verwaltung und den Einsatz größerer Maschinen versucht der Vorstand, die Kosten je Passagier zu senken. Dem Finanzchef zufolge fliegt die Lufthansa im Europaverkehr "traditionell" jedes Jahr einen dreistelligen Millionenverlust ein. Im kommenden Winter kappt die Lufthansa nun ihre Wachstumspläne. Das Flugangebot soll statt um zwölf Prozent nur um sechs Prozent zunehmen.


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