Lufterwärmung - Hamburg legt bundesweit ersten regionalen Klimabericht vor: Seit 100 Jahren Lufterwärmung und höhere Wasserstände Hamburg hat am Mittwoch den bundesweit ersten regionalen Klimabericht für einen Großraum vorgelegt. Das 400 Seiten umfassende Werk analysiert Klimaveränderungen in der Metropolregion mit den an die Hansestadt angrenzenden norddeutschen Gebieten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein, wie Hamburgs Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) sagte.
Vergrößern Lufterwärmung - Hamburg legt bundesweit ersten regionalen Klimabericht vor | Bild: ©

Das unter Federführung vom KlimaCampus Hamburg, einem Exzellenzzentrum der Klimaforschung an der Hamburger Universität, interdisziplinär erstellte Papier solle zudem Konsequenzen aus der Klimaerwärmung aufzeigen. Ausgewertet wurden die Ergebnisse unter den Aspekten Küstenschutz, Artenvielfalt, Landwirtschaft und Tourismus.

Dem Bericht zufolge stieg die Temperatur in der Metropolregion in den vergangenen 100 Jahren um etwa ein Grad Celsius an, allerdings mit einer Beschleunigung in den letzten 30 Jahren. Die Niederschläge erhöhten sich um ein Prozent pro Jahrzehnt. Als sogenannter Großstadt-Hauseffekt liegt jedoch die Temperatur im Hamburger Stadtzentrum um ein weiteres Grad höher, zudem fällt auf der Lee-Seite im Windschatten der Stadt mehr Niederschlag.

Auch im Hinblick auf Meeresspiegel und Sturmfluten gebe es Erhöhungen, längs der Küste von etwa 20 Zentimetern, in der Tide-Elbe sogar höher. Verlängerte Vegetationsperioden und frühere Blühtermine seien die Folge, etwa eine innerhalb von gut 60 Jahren um einen Monat vorgerückte Forsythien-Blüte in Hamburg. Die Obstbaumversuchsanstalt in Jork im Alten Land klagt laut Gundelach häufig über eine zweite Baumblüte im Herbst, die zunehmend Probleme bereite.

Laut Experten wie Hartmut Euler vom Kieler Umweltministerium muss der Bericht Grundlage sein, die Anpassungsstrategie des Bundes für bereits eingetretene Klimaveränderungen auf die Region zu übertragen. Als ein solches Projekt würden die Schutzdeiche an Schleswig-Holsteins Westküste künftig baulich gleich so verstärkt, dass sie später bei Bedarf problemlos nochmals um einen Meter aufgestockt werden könnten.

Nach Einschätzung von Martin Claußen, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie, muss dem Wärmeinseleffekt der Millionenstadt Hamburg architektonisch begegnet werden, indem etwa stadtplanerisch für eine bessere Durchlüftung der Innenstadt gesorgt werde. Andererseits dürfe der Klimawandel nicht verteufelt, sondern müsse auch Nutzen daraus gezogen werden, darunter für den Tourismus oder die Ansiedlung neuer, den Veränderungen angepasster Pflanzensorten.

Kritiker bemängelten, dass der Wissensstand nicht über Erkenntnisse von vor zehn Jahren hinausgehe. Dem widersprachen Experten wie Claußen, der auch Meteorologie-Professor an der Uni Hamburg ist. Viele Daten lägen detailliert erst seit diesem Sommer vor. «Wir schlagen keinen Alarm, um die Welt zu retten, sondern wir berichten und fassen den Stand des Wissens zusammen», sagte Claußen. Denkbar sei es, diese Erkenntnisse in fünf bis sieben Jahren in einem Folgebericht fortzuschreiben.

Gundelach verwies zwar auf die 2007 vom Senat verabschiedete umfassende Klimastrategie Hamburgs. In vier Wochen wolle der Senat jedoch ein neues Klimaschutzkonzept vorlegen. Zudem hätten Fachleute, Behörden und Verbände jetzt Gelegenheit, sich zu dem Bericht zu äußern. Nächstes Jahr werde der jetzigen ersten Form dann die Endfassung folgen.

Peter Lindlahr von der Leitstelle Klimaschutz der Hamburger Umweltbehörde verwies darauf, dass dem in seiner Art bundesweit ersten Klimabericht nun rasch Verbundprojekte folgen müssten. So gebe es im Bundesumweltamt bereits Überlegungen für ähnliche Klimaberichte zu weiteren ausgewählten Großräumen in Deutschland.

Hamburg (ddp-nrd)