Santiago (dapd). So mag manch einer von ihnen gehofft haben, so hat es die Öffentlichkeit erwartet. Es ist anders gekommen. Der Traum vom besseren Leben blieb für 32 von ihnen unerfüllt.
15 der Männer sind seit ihrer Rettung arbeitslos. Vier arbeiten erneut unter Tage und fristen weiterhin ein kärgliches Dasein als Bergleute. Der Rest schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch oder hat sich mit kleinen Läden selbstständig gemacht. Einer trainiert eine Jugend-Fußballmannschaft. Den meisten geht es physisch und psychisch schlecht. Die Frau von Edison Pena, eines der Arbeiter, sagt, ihr gemeinsames Leben sei heute 'genauso dunkel wie die Mine dunkel war'.
Wirklich geschafft hat es nur der vor Energie und Optimismus berstende Mario Sepulveda, den die Welt nach seiner Rettung als Stimmungskanone erlebte. Sepulveda hat eine Unternehmensberatung gegründet, lässt einen amerikanischen Public-Relations-Agenten für sich arbeiten und lehrt Manager, wie man in schwierigen Situationen durchhält. Sein Terminkalender ist vor allem mit Dienstreisen in die USA ausgefüllt.
Er und die anderen aus der Gruppe der '33' haben die Minengesellschaft auf 10 Millionen Dollar (7 Millionen Euro) wegen mangelhafter Sicherheitsvorkehrungen und die chilenische Regierung wegen schlampiger Aufsicht über die Mine auf 17 Millionen Dollar (12 Millionen Euro) Schadenersatz verklagt. Wann und ob überhaupt jemals Geld fließen wird, ist unsicher. Die Minengesellschaft ist pleitegegangen, und die Regierung weigert sich, irgendeine Schuld einzugestehen. Sie will keinen Präzedenzfall schaffen und womöglich für fehlerhafte Aufsicht in anderen schlampig arbeitenden Unternehmen geradestehen müssen.
Vorarbeiter Luis Urzua zeigte sich enttäuscht, dass er und seine Kollegen sogar angefeindet wurden wegen ihrer Klagen. 'Viele meinen, wir sollten froh sein, dass wir gerettet worden sind und ansonsten den Mund halten. Wir sind sehr, sehr dankbar. Aber wir gehen vor Gericht, weil wir der Auffassung sind, dass man Dinge anklagen muss, die nicht korrekt sind', sagte Urzua, der wie kein anderer die Truppe unter Tage zusammengehalten und zum Durchhalten motiviert hatte.
Aus Buch- und Filmrechten der Kumpel konnten sie bislang kein Kapital schlagen. Zwar ist kürzlich ein Vertrag mit einem Filmstudio in Hollywood unterzeichnet worden, doch Geld floss noch keines. Lediglich die ein oder andere Reise haben die Männer gesponsert bekommen, eine nachhaltige Besserung ihrer Lebensverhältnisse hat das aber nicht gebracht. Sie leben nach wie vor in den tristen Bergarbeitersiedlungen im wirtschaftlich benachteiligten chilenischen Norden.
Die Männer hatten gehofft, dass Chiles Präsident Sebastian Pinera seine Ankündigung wahr machen und ihnen eine lebenslange Rente in Höhe von 430 Dollar (300 Euro) monatlich bewilligen würde. Dieses Versprechen ist inzwischen in der Regierungsbürokratie versickert. Auch Pineras Popularitätswerte sind abgestürzt. Auf dem Höhepunkt der Rettungsaktionen im Herbst 2010 standen 60 Prozent der Chilenen hinter ihm. Er hatte die Rettung zur Chefsache erklärt und 20 Millionen Dollar (14 Millionen Euro) für die verschiedenen Rettungsversuche bereitgestellt. Heute liegt Pineras Popularitätswert bei nur noch 30 Prozent - der schlechteste Wert für einen chilenischen Präsidenten seit der Rückkehr des Landes zur Demokratie 1990.
Geld bekommen haben die Minenarbeiter lediglich von dem exzentrischen chilenischen Millionär Leonardo Farkas, der jedem der Kumpel 5 Millionen Pesos (7.700 Euro) und ein kleines Motorrad schenkte. Claudio Yanez und Pedro Cortez mussten indes sogar ihre Motorräder wieder verkaufen, um Geld für Essen zu haben. Viele der Kumpel quälen Albträume. Omar Reygadas beschreibt es so: 'Ich versuche mich jeden Tag auszupowern, damit ich nachts schlafen kann. Aber wenn ich dann in einem dunklen Raum liege, bekomme ich Ängste und muss raus und mit jemandem sprechen.'
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