Linke prangert fehlende soziale Mindeststandards in Call-Centern an: Die Linke prangert die Arbeitsbedingungen in Call-Centern an und fordert einen Mindestlohn für die Branche. Wie aus der Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Linke-Arbeitsmarktexpertin Sabine Zimmermann hervorgeht, verdienten 7,4 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in dieser Branche 2009 so wenig, dass sie gleichzeitig auf Hartz IV angewiesen waren.
Vergrößern Linke prangert fehlende soziale Mindeststandards in Call-Centern an | Bild: © dapd

Berlin (dapd). Im Bundesdurchschnitt lag die Zahl dieser Aufstocker mit sozialversicherungspflichtigen Jobs hingegen bei 2,5 Prozent.

Laut der Antwort des Ministeriums, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, lag der Anteil der Arbeitslosengeld-II-Empfänger bei den geringfügig Beschäftigten in der Branche ebenfalls über dem Durchschnitt. Während in den Call-Centern ein Anteil von 18,4 Prozent registriert wurde, waren es insgesamt 14,3 Prozent.

Linke-Politikerin Zimmermann kritisierte: 'Die Regierung subventioniert die Niedriglohnbranche der Call-Center mit Millionengeldern, verweigert den Beschäftigten aber einen Mindestlohn. Das ist eiskalte Klientelpolitik.'

Ende 2009 arbeiteten den Angaben nach rund 500.000 Menschen in 6.700 deutschen Call-Centern. Die meisten dieser Einrichtungen sind Teil eines Unternehmens oder einer Behörde. Deren statistische Erfassung gestaltet sich schwierig. Bei der Frage nach den Beschäftigungsverhältnissen beruft sich das Ministerium etwa auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit, in der nur jene Unternehmen als Call-Center statistisch erfasst werden, die diesen Bereich als ihren Schwerpunkt angeben. Demnach arbeiteten in dieser Wirtschaftsgruppe 2009 rund 92.700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, gut zwei Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zur Tarifbindung liegen ebenfalls keine aktuellen Erkenntnisse vor.

Im vergangenen Jahr wurden Call-Center von Bund und Ländern mit rund 18,2 Millionen Euro gefördert. Die Mittel gingen an Firmen in Brandenburg, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Sachsen-Anhalt. Zimmermann forderte, die Vergabe von Fördermitteln müsse an Kriterien von Guter Arbeit gekoppelt werden.

dapd