Bremen (dapd-nrd). 'Es kann sich an seine frühere Formgebung erinnern', sagt der Wissenschaftler. Auszuprobieren ist das Experiment in der Ausstellung 'Stille Stars - Extreme Materialen in extremen Anwendungen' im Bremer Wilhelm Wagenfeld Haus, die ab Freitag zu sehen ist. Präsentiert werden über 120 Exponate, vom lichtdurchlässigen Beton über selbst reinigendes Fensterglas bis zu Gießkannen aus biologisch abbaubarem Kunststoff.
Viele extreme Materialen hätten im Alltag Einzug gehalten, ohne dass es den Menschen bewusst sei, sagte Rezwan am Donnerstag, der als Leiter des Instituts für keramische Werkstoffe und Bauteile der Universität Bremen die Ausstellung wissenschaftlich begleitete. Memory-Metalle, die bei der Büroklammer für den Besucher anschaulich zur Geltung kommen, werden nach Angaben von Rezwan etwa in der Medizin zur Gefäßerweiterung genutzt. Zum Einsetzen werden kleine Drahtstrukturen stark zusammengedrückt. Beim Erwärmen auf Körpertemperatur falten sie sich auf und stabilisieren das Blutgefäß.
In der Schau gehe es nicht um die reinen Erfindungen, vielmehr stehe die Anwendung des Materials im Mittelpunkt, sagte Detlef Rahe, Leiter des Design-Instituts 'i/i/d' und Mit-Organisator der Ausstellung. Viele Produkte wie Segel und Tampen seien bekannt, die Materialien aber nicht. Diese seien oft die eigentlichen Stars der Produkte, hielten sich aber in der Anwendung meist dezent im Hintergrund. 'Deshalb der Titel der Ausstellung', sagte Rahe.
Gezeigt werden zum Beispiel Chemiefaser-Seile, die bis zu 2.000 Tonnen tragen können. Der Vorteil dabei: Sie haben im direkten Vergleich zu einem Drahtseil 96 Prozent weniger Gewicht und können schwimmen. 'Sie kommen vor allem im Wassersport und der Berufsschifffahrt zur Anwendung', sagteRahe. Ausgestellt ist auch ein Babybody aus versilbertem Jersey. 'Das Silber wirkt antibakteriell', sagt Rahe. Das Kleidungsstück sei deshalb für Kinder mit Hautproblemen wie etwa Neurodermitis gedacht. Es könne den Juckreiz lindern. Socken mit einem Silberanteil von zehn Prozent sollen dagegen Fußgeruch verhindern.
Präsentiert wird zudem ein künstliches Hüftgelenk, das neben Titan aus einer besonders harten Keramik besteht, die auch für das Mahlwerk von Pfeffer- und Salzmühlen verwendet wird. 'Die Mühlen halten ein Leben lang, die Hightech-Keramik ist praktisch unzerstörbar, härter als Stahl', sagt Rezwan. Studenten der Hochschule für Künste entwickelten aus dem Material einen Bleistiftanspitzer, der auch bei ständiger Benutzung scharf bleibt. An dem Beispiel verdeutliche sich, wie ein Material in verschiedenen Bereichen wie Medizin, Haushalt und Büro Anwendung finden könne. Deshalb seien das Hüftgelenk und die Mühle seine weiteren Lieblingsstücke in der Ausstellung, sagt Rezwan.
Die Ausstellung der Wirtschaftsförderung Bremen ist bis zum 27. Februar zu sehen.
dapd


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