Lesen» - Kindergartenkinder testen Computerspiele: Mainzer Medienpädagogen und «Stiftung Lesen» lassen kleine User über Spielepreis entscheiden In einem Nebenraum des Kindergartens «Eulennest» in Mainz wird an diesem Vormittag eine wichtige Entscheidung getroffen: Das beste Computerspiel für Vorschulkinder wird gesucht. Die Jury besteht aus den «Eulennest»-Kindern im Vorschulalter und hat eine Aufgabe: Die drei zur Wahl stehenden Computerspiele spielen und dann entscheiden, welches das beste ist.
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Das Siegerspiel wird am 16. Oktober auf der Frankfurter Buchmesse prämiert.

Ein Team aus Medienpädagogen der Uni Mainz und Mitarbeiter der «Stiftung Lesen» führen die Tests durch. Sie haben auch die Vorauswahl bei den Spielen getroffen. «Alles, was die Kinder hier testen, ist schon mal kein Schrott,» sagt «Stiftung Lesen»-Mitarbeiterin Sabine Bonewitz.

Melanie klickt auf den Lautsprecher-Button, der auf dem Computerbildschirm vor ihr zu sehen ist. Der Affe, der darüber hockt, sagt: «Kobra.» Melanie sieht auf das Feld neben dem Lautsprecher mit den vielen Tierfotos. Welches soll die Fünfjährige anklicken? Der gleichaltrige Aaron, der neben ihr sitzt, hält es kaum aus: «Nein, Kobra! Das ist die Schl...!» Isabell Tatsch, die den Spieletest überwacht, hält ihn zurück: «Aaron, lass sie mal alleine.» Die wissenschaftliche Mitarbeiterin von der Mainzer Uni überprüft, ob Melanie das Spiel «Den Zoo entdecken» auch ohne Hilfe versteht.

An einem anderen Computer sitzt die fünfjährige Maya zusammen mit dem Pädagogikstudenten Holger Liephild vor dem Spiel «Das Gold von Pottsland». «Das ist Käpt´n Püree», sagt Liephild und zeigt auf einen grinsenden Kartoffelkopf mit Augenklappe und Piratenhut rechts im Bild. Gegen den Käpt´n soll Maya nun um Goldmünzen spielen. Dafür muss sie sich merken, in welcher Reihenfolge sie bunte Karten ablegen muss oder an welchen Fenstern vom Gruselhaus Geister stehen. Liephild notiert auf einem Fragebogen: Versteht die kleine Testerin die Navigation? Was gefällt ihr an dem Spiel? Am nächsten Tisch lotst Nikolai auf einem Nintendo DS Benjamin Blümchen auf der Suche nach neuen Aufgaben durch den Zoo.

Der «Tommi» wird seit 2002 von der Zeitschrift «spielen und lernen» und dem Berliner Kindermedienexperten Thomas Feibel vergeben. Über Spiele für ältere Kinder entscheiden Kinderjurys in zwölf Stadtbibliotheken bundesweit. Seit zwei Jahren gibt es nun auch die Kategorie für Vorschulkinder, die in mehreren Kindergärten getestet wird.

Die Spiele für Vorschulkinder müssen neben der pädagogischen Ausrichtung auch anderen Kriterien entsprechen, erklärt Medienpädagogin Deborah Woldemichael von der Uni Mainz: «Zum Beispiel müssen alle Erklärungen vorgelesen werden, weil nicht davon auszugehen ist, dass Vorschulkinder schon lesen können.» Dazu sei auch bei Lernspielen ein «hoher Spielspaß und eine hohe Motivation» wichtig: «Wird man gelobt, wenn man etwas richtig gemacht hat? Was passiert, wenn man eine Runde verliert?»

Die «Stiftung Lesen» sieht in der Auswahl von Computerspielen einen guten Einstieg ins Lesen. «In der Kindheit sind Computerspiele selbstverständlich», sagt «Stiftung Lesen»-Mitarbeiterin Bonewitz. «Wer das Lesen fördern will, tut gut daran, von den Mediengewohnheiten der Kinder auszugehen.» Für den richtigen Umgang mit dem Computer sei schließlich auch die Lesekompetenz unerlässlich.

Bei der «Tommi»-Verleihung auf der Buchmesse dürfen auch Kinder aus den Jurys mit dabei sein. So können sie sehen, was ihre Bewertungen ausmachen. «Dann sitzen die Herren von den nominierten Firmen in ihren Anzügen da und sind ganz aufgeregt», berichtet Bonewitz. Der Preis sei schließlich so etwas wie eine Kaufempfehlung für Eltern.

Die erste Testgruppe im Kindergarten «Eulennest» hat derweil ihre Runde abgeschlossen. Ein Kind nach dem anderen kommt vor ein großes Pappbild, auf dem die drei Spiele abgebildet sind. Hier sollen einen großen gelben Smiley unter ihren Favoriten pappen. Maya entscheidet sich für «Benjamin Blümchen», Nikolai für «Das Gold von Pottsland». Im «Eulennest» liefern sich die drei Testspiele am Ende ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Doch es sind noch drei weitere Kindergärten auszuwerten - bis zur Buchmesse bleibt es also spannend.

Mainz (ddp-rps)