Wiesbaden (dapd-hes). Dann fiel dem Schauspieler 2005 eine Filmrolle mit Original-Cartoons des Pink Panther in die Hände - und Turnheim machte eine Entdeckung: Im Original hatte Paulchen Panther im Gegensatz zur Version des deutschen Fernsehens gar keine Verse.
Turnheims Neugier war geweckt: 'Man ist als Schauspieler immer auf der Suche nach neuen Projekten', sagt der 35-Jährige. Was das deutsche Fernsehen kann, könne er auch, dachte er sich und begann, eigene Verse zu den Cartoons von Paulchen Panther zu basteln. Heraus kamen verspielte Reime, manche als Sportreportage, andere im klassischen Versmaß des Alexandriners. Und weil Turnheim eben von Geburt Wiener ist, schrieb er auch Verse im Wiener Schmäh. 'Das kam genial an', erinnert sich Turnheim - eine Idee war geboren.
Seitdem widmet sich Turnheim mit großer Leidenschaft der Arbeit als Leinwand-Lyriker. Nachdem seine ersten szenischen Lesungen zu Paulchen-Panther-Filmen so erfolgreich waren, wagte sich Turnheim an einen echten Stummfilm-Helden: Im April 2010 hatte seine 'Buster Poetry' mit einer szenischen Lesung zu Buster Keatons 'Sieben Chancen' Premiere. Seitdem begleitete Turnheim auf etwa 20 Aufführungen den stillen Slapstick des Stummfilm-Stars Keaton mit leicht-lockeren Reimen im Wiener Dialekt.
'Der Stummfilm ist für Künstler ein tolles Betätigungsfeld', sagt Turnheim. Er lasse Raum für eigenes, als lesender Schauspieler sei man zudem eine Art Bindeglied zwischen Film und Publikum. 'Man ist Teil des Films, aber auch Repräsentant des Publikums, denn man selbst ist ja einer der lebenden Zuschauer', sagt Turnheim über die Faszination seiner Rolle. Diese 'sehr paradoxe' Situation sei zugleich sehr spannend und herausfordernd.
'Er ist verlegen vor Glück und Stolz. Sie rückt ihm näher auf dem Holz', heißt es etwa in Turnheims Versen zu einer Szene, wo Buster Keaton und sein Schwarm nebeneinander auf der Bank sitzen. 'Sie busseln sich trocken und doch so süß. Es kribbelt vom Bauch bis in die Füß', dichtet er. Und noch deutlicher Wienerisch heißt es an einer anderen Stelle: 'Hamns a Gspusi bei der Hand, schleifens es zum Standesamt.'
'Stummfilme fordern die völlige Aufmerksamkeit ein', sagt Turnheim. Jeden anderen modernen Film könne man auch im Fernsehen nebenher sehen, nicht so den Stummfilm. Bei dem müsse man wirklich hinsehen. Das schaffe im Kino ein ganz anderes Erleben und eine Art gemeinsames Entdecken beim Publikum. 'Die Leute lachen mehr als bei modernen Komödien', hat Turnheim festgestellt. Vielleicht liege das daran, dass es eben keinen Ton gebe, der alles überdecke.
Zum Teil, glaubt Turnheim, liegt es aber auch an den Filmen selbst: Gerade die Stummfilme von Buster Keaton seien 'überhaupt nicht veraltet, sondern wahnsinnig frisch', sagt Turnheim. Obwohl die Filme 80 bis 85 Jahre alt seien, wirkten sie heute oft origineller als moderne Filme. 'Kein Wunder, es sind ja auch die Originale', sagt der Schauspieler. Der Stummfilm habe eine Sprache gefunden, die ohne Sprachkenntnisse auf der ganzen Welt verstanden wurde.
Die Streifen mit Buster Keaton seien 'der Stummfilm an sich', schwärmt Turnheim. 'Der Mann der niemals lachte', gelte als der stummste aller Stummfilm-Komiker und wirke gerade deswegen als purer Film. Keaton habe verstanden, was Film ausmache, er habe mit Bewegung gearbeitet und zugleich perfekt 'die Stille im Spiel' verkörpert.
Mit seinen Texten knüpfe er an der poetischen Qualität der Bilder an, fügt Turnheim hinzu. 'Mit Keaton verbindet man eine gewisse Melancholie - Bilder, die eher an Träume erinnen', beschreibt er die Faszination. Diese 'wunderbare Poesie in Worte zu übertragen, in eine verspielte Art der Lyrik, das ist eine wunderbare Art, diesen Filmen Stimme zu geben - ohne ihnen die Stille, das Stummfilmartige zu nehmen', sagt Turnheim.
Am 29. April zeigt er im Wiesbadener Walhalla-Studio seine gesammelte Buster-Poetry. Bei der Buster-Poetry-Kultfilmnacht gibt es nacheinander die Filme 'Sieben Chancen' und 'Der General' mit den Versen von Ralph Turnheim. Und er dichtet weiter. Im Herbst soll seine Poetry zu den Filmen der berühmten Komiker Stan & Olli (Dick und Doof) Premiere haben.
dapd


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