«Legendäre» Bentele - Medaillenrausch hält an: Der deutsche Medaillenrausch in Kanada geht weiter. In den Loipen von Whistler feierte Verena Bentele im klassischen Fünf-Kilometer-Langlauf mit dem vierten Gold am viertletzten Tag der Paralympics bei Kaiserwetter einen weiteren Triumph und fand es «absolut schön».
Vergrößern «Legendäre» Bentele - Medaillenrausch hält an | Bild: ©

Skischlitten-Fahrerin Andrea Eskau holte über fünf Kilometer «supergeiles Silber». Abfahrts-Dritte wurden die handbehinderte Andrea Rothfuß und der sehbehinderte Gerd Gradwohl. Ein Sturz mit dem Monoski verhinderte vorläufig den dritten Gold-Coup des Surbergers Martin Braxenthaler. Auch im Rollstuhl-Curling ging einiges schief: Das 2:9 gegen Südkorea war für Deutschland die fünfte Niederlage im achten Spiel.

Der «goldene Mittwoch» und das strahlend-sonnige Blau über Kanadas Ski-Mekka beflügelten die deutschen Ski-Athleten. Dabei war die Tettnangerin Verena Bentele erneut die Souveränin im Paralympic Park: Vier Starts, viermal Gold - «damit ist sie auf jeden Fall legendär», kommentierte Frank Höfle (Isny), Deutschlands erfolgreichster Paralympics-Teilnehmer, die Serie der 28-Jährigen.

«Auch die vierte Goldmedaille ist absolut schön, es ist einfach sehr gut gelaufen.» Im Ziel fuhr Bentele auf Begleitmann Thomas Friedrich auf und flachste: «Der Guide ist langsam fertig.» Und dass sie jetzt etwa 2,5 Kilogramm an goldenen Plaketten mit nach Hause nimmt, macht sie nicht nervös: «Das Übergepäck zahlt ja der Verband.» Benteles bisherige paralympische Bilanz: elfmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze. Ob sie weitermacht? «Ich weiß es noch nicht.» Höfle wurde Siebter im 10-Kilometer-Klassiker und wird seine paralympische Karriere beschließen: «Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht.»

Wenige Kilometer weiter, in Whistler Creekside, wurden die Zuschauer an der «Franz's-Run»-Piste an die dramatischen Stürze bei Olympia erinnert. Die beinamputierte Kanadierin Andrea Dziewior erwischte es heftig - die einbeinigen Skiläuferinnen erreichen auf der 2139 Meter langen Strecke mit einem Gefälle von 600 Metern Geschwindigkeiten um die 87 Kilometer je Stunde. Dziewior musste mit dem Rettungsschlitten abtransportiert werden - doch alles ging glimpflich ab: «Es geht allen gut, es gab keine schlimmen Verletzungen und keine Brüche», sagte Steffi Klein, Sprecherin des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC).

Braxenthaler ging zum dritten Mal volles Risiko: «Ich bin eine enge Linie gefahren. Dann habe ich einen Schlag bekommen, es hat mich ausgedreht, und ich bin gestürzt.» Nichts passiert, Braxenthaler freut sich auf Super-G und die neue Super-Kombination: «Schauen wir vorwärts. Ich habe meinen Erfolg schon gehabt. Deswegen darf ich nicht traurig sein.»

Die Mitteltalerin Andrea Rothfuß war «froh, dass ich lebend und heil im Ziel angekommen bin. Das war heute schon ein bisschen ein Höllenritt da runter.» Sie hatte nach zweimal Silber in der Stehend- Kategorie 5,04 Sekunden Rückstand auf die Kanadierin Lauren Wollstencroft, die ihr drittes Gold holte. Gerd Gradwohl (Kempten) und Begleitläufer Karl-Heinz Vachenauer fehlten 2,17 Sekunden zur Goldmedaille, die an den Spanier Jon Santacana Maiztegui ging. Gradwohl war restlos begeistert: «Das ist absolut genial. Egal, ob es Bronze, Silber oder Gold ist. Für mich und den Heinzi ist es super.»

Whistler (dpa)