KÖLN (dpa-AFX) - Der Telekomanbieter QSC wächst gegen den Trend. Auch in diesem Jahr will der Mittelständler aus Köln Umsatz und Gewinn weiter steigern, obwohl der Markt für Telekommunikationsdienstleistungen nach der Prognose des Branchenverbandes Bitkom in diesem Jahr schrumpfen wird. QSC-Chef Bernd Schlobohm versucht sich dem Trend zu entziehen, indem er mehr und mehr auf das lukrativere Geschäft mit Telekommunikationslösungen setzt. Auf Umsätze mit margenschwachen Telefonprodukten will Schlobohm in Zukunft bewusst verzichten und sein Unternehmen noch profitabler machen.
Das Wachstum solle trotzdem aus allen Geschäftsbereichen kommen, sagte Schlobohm im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Analysten hatten zuletzt an den Zukunftsaussichten von QSC gezweifelt. Insbesondere für das Großkundengeschäft (Wholesale), in dem QSC unter anderem sein Netz an andere DSL-Anbieter vermietet, sehen sie wegen der Stagnation auf dem deutschen DSL-Markt keine rosige Zukunft. Der QSC-Chef ist anderer Meinung: Wholesale sei strategisch genauso wichtig wie andere Bereiche und beinhalte weit mehr als die Vermietung von DSL-Leitungen. In Zukunft will QSC in dem Bereich auch seine Telefonprodukte wie virtuelle Telefonanlagen an Großkunden weiterverkaufen, die diese dann unter ihrer Marke anbieten können.
WHOLESALE WÄCHST AM STÄRKSTEN
Im abgelaufenen Jahr verzeichnete QSC in dem Bereich auch das stärkste Umsatzwachstum. Daneben lief das Geschäft mit "Managed Services" besser als im Vorjahr. QSC meint damit individuelle Lösungen, die je nach Bedarf für die Kunden zugeschnitten werden. Klassische Telefonprodukte verkauften sich hingegen schlechter als im Vorjahr. Insgesamt steigerte QSC seinen Umsatz im Vorjahr auf 420,5 Millionen Euro von 413 Millionen Euro 2008. Damit verfehlte QSC zwar die Erwartungen von Analysten leicht, erfüllte aber seine eigenen Jahresziele.
In diesem Jahr will der QSC-Chef weiter auf eine Dividende hinarbeiten: Der für die Ausschüttung maßgebliche Free Cashflow soll auf mehr als 22 Millionen Euro anwachsen nach 12,9 Millionen Euro 2009. Die Mittel sollen vor allem aus dem laufenden Geschäft kommen. Zwar werde das Unternehmen weiter auf Kosten achten, die Investitionen würden in diesem Jahr aber nicht weiter zurückgefahren, sagte Schlobohm. Die Investitionsquote bleibe bei zehn Prozent des Umsatzes. Ziel sei es, den Free Cashflow so zu steigern, dass QSC für das Jahr 2011 wieder eine Dividende zahlen könne. Seine Schulden baute der Telekomanbieter 2009 komplett ab.
AKTIE SINKT
Die im TecDax notierte Aktie drehte nach einem starken Start im Handelsverlauf ins Minus und verlor zuletzt am Indexende 2,21 Prozent auf 1,68 Euro. Tags zuvor hatte die Aktie bereits kräftig zugelegt. Börsianer bezeichneten die Jahreszahlen als "gemischt", hoben aber die verbesserte Marge hervor. LBBW-Analyst Andreas Heinold sah seine Erwartungen erfüllt: "Die Ziele für 2010 dürften erreichbar sein", schrieb er.
Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) stieg im vergangenen Jahr dank der fortgesetzten Sparanstrengungen noch kräftiger als der Umsatz auf 76,9 Millionen Euro. Die Marge verbesserte sich um zwei Prozentpunkte. Unterm Strich wuchs der Gewinn auf 5,5 Millionen Euro (Vorjahr: 0,8 Mio Euro).

































