Die Geehrte selbst trug Collagen vor und erinnerte an den Ausbruch der Unruhen vor 20 Jahren in Rumänien. Müller war vor acht Tagen in Stockholm der diesjährige Literaturnobelpreis verliehen worden.
Auf den Tag am 18. Dezember 1989 hatten sich in Temesvar Bürger gegen das kommunistische Regime erhoben. Die Aufstände breiteten sich von der Bergarbeiterstadt auf das ganze Land aus, forderten jedoch bis zur Absetzung 1700 Opfer. Ihnen widmete Müller einen auf Rumänisch vorgetragenen Text. Vorab trug die Nobelpreisträgerin eigene, aus Zeitungszeilen zusammengesetzte Collagen vor.
Müllers Verleger Michael Krüger sagte, die Geehrte sei in Stockholm «die unangefochtene Heldin auf der Bühne des Konzerthauses» gewesen. Der nach der Wende erste demokratische Kulturminister Rumäniens, Andrei Plesu, bezeichnete Müller als eine große Schriftstellerin.
Der knapp 1000 Plätze fassende Saal des Festspielhauses an der Schaperstraße war für den Abend komplett ausverkauft. Die Veranstaltung war eine Kooperation der Berliner Festspiele mit dem Internationalen Literaturfestival der Stadt, dem Literaturhaus Berlin, der Literaturwerkstatt und dem Literaturforum im Brechthaus. Weitere Veranstalter sind das Literarische Colloquium Berlin, der Hanser-Verlag und zwei Stiftungen.
Die in Berlin lebende Schriftstellerin war unter anderem für ihren Roman «Die Atemschaukel» ausgezeichnet worden. Die Deutschstämmige wurde 1953 in Nitzkydorf im rumänischen Banat geboren. Wegen zahlreicher Repressalien und einem Publikationsverbot siedelte sie 1987 nach Westdeutschland und später nach West-Berlin über.
Berlin (ddp)


























