Laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» könnten die Probleme den Konzern bis Ende des Jahres 350 Millionen Euro kosten. Schwere Defizite hätten die Prüfer etwa bei der Beschaffung und Wartung der S-Bahn-Züge der Baureihen 481/482 entdeckt.

Die Nachrichtenagentur ddp erfuhr von verschiedenen Quellen im DB-Konzern, dass das S-Bahnmanagement lange Zeit von einer Dauerfestigkeit der Radscheiben bei der Zugbaureihe 481 ausgegangen war. Diese Annahme sei zwar damals im Umgang mit Zügen grundsätzlich gängig gewesen. Im konkreten Fall jedoch hätten der Hersteller die Räder nach einer Berechnung im Jahr 1995 nicht als dauerfest, sondern lediglich als betriebssicher bezeichnet. «Unklar ist», so ein Insider, «wer diese Einstufung kannte, ob und wer im Management darüber Bescheid wusste.»

Laut «Spiegel» fanden die Prüfer zudem Hinweise auf Manipulationen bei Testfahrten oder deren Messergebnissen, die im Jahr 2005 die langfristige Haltbarkeit der Radscheiben nachweisen sollten. Diese Haltbarkeit habe aber womöglich nie bestanden, so die Meinung der Prüfer.

Diesen Verdacht nähren auch Unterlagen, die der Nachrichtenagentur ddp vorliegen. Danach wurde die S-Bahnspitze im vergangenen Jahr von eigenen Fachleuten darüber informiert, dass die Vorderräder der Baureihe 481 nicht dauerfest seien. Ihre maximale Laufleistung betrage bei konservativen Annahmen nur rund 750 000 Kilometer. In der Praxis waren die Räder dagegen Belastungen von rund 1,2 Millionen Kilometern ausgesetzt.

Die Berechnungen, die zu dieser kritischen Aussage führten, lagen bahnintern angeblich erst 2009 vor. Sie beruhten jedoch auf Messdatendaten zur Festigkeit des Materials, die bereits 2005 erhoben worden waren. Nach Einschätzung eines Bahnexperten, der aufgrund seiner Abhängigkeit vom DB-Konzern namentlich nicht genannt werden möchte, deutet dies darauf hin, «dass entweder geschlampt oder gezielt Informationen unterdrückt wurden«. Sonst hätten früher Konsequenzen aus den Daten gezogen werden müssen.

Laut einem Bericht der «Berliner Morgenpost» (Sonntagsausgabe) hat die Spitze der Deutschen Bahn AG bereits personelle und strukturelle Konsequenzen beschlossen. «Es hat technische Mängel bei den Fahrzeugen gegeben und darüber hinaus erhebliche Fehler seitens des S-Bahn-Managements. Und das mindestens seit 2002», hieß es aus Bahnkreisen. Details der Neustrukturierung wolle der Bahn-Konzern in dieser Woche bekanntgeben.

Ebenfalls diese Woche soll der Prüfbericht der Staatsanwaltschaft übergeben werden, am Dienstag will die Bahn diesen der Öffentlichkeit vorstellen. Grube sagte: «Wir werden einen Ermittlungsbericht vorlegen, der alles offenlegt und auch eigene Fehler eingesteht.« Die Deutsche Bahn sei aber bei dem »S-Bahn-Problem» auf einem guten Weg, auch wenn man noch keine abschließende Lösung mit dem Zughersteller gefunden habe. Dennoch bleibe es bei dem Ziel, bis zum 13. Dezember 2010 wieder den Normalfahrplan aufzunehmen, fügte Grube hinzu.

Seit mehr als einem Jahr sorgen defekte Bremsen und schadhafte Radsätze für einen eingeschränkten S-Bahn-Betrieb in Berlin. Regelmäßig entschärft wird die Situation in den Wintermonaten durch Probleme an Weichen und Signalanlagen. Derzeit verkehren nur 340 der mehr als 600 sogenannten Viertelzüge (Doppelwagen).

(Weitere Quellen: Grube in «Bild»-Zeitung, Montagausgabe)

ddp/oja/arh