ZÜRICH (dpa-AFX) - Die Schuldenkrise in der Euro-Zone bringt die bislang stabile Schweizer Großbank Credit Suisse ins Trudeln. Nach einem enttäuschenden dritten Quartal verschärft das Institut seinen erst vor drei Monaten beschlossenen Sparkurs. Statt der bislang geplanten 2.000 Stellen will Vorstandschef Brady Dougan nun 3.500 streichen. Das sind rund sieben Prozent der gesamten Belegschaft. Hoffnung auf eine Besserung des Geschäftsklimas macht er sich nicht: "Unseres Erachtens dürfte das Marktumfeld auch längerfristig von verhaltenem Wirtschaftswachstum, den niedrigen Zinsen und stärkerer Regulierung geprägt sein."
Die Credit Suisse zählte wie die Deutsche Bank zu den Gewinnern der Finanzkrise 2008. Anders als beim Konkurrenten UBS , bei dem Anleger zig Milliarden abgezogen hatten, vertrauten die Kunden der Bank in der vergangenen Krise. Das Unternehmen musste zwar wie andere Banken Verluste verbuchen, nahm aber im Gegensatz zur UBS nie Staatshilfe in Anspruch. Nun droht das Image des Instituts aber doch Kratzer zu bekommen.
STEUERSTREITIGKEITEN KOSTEN GELD UND IMAGE
Schuld daran sind auch Steuerstreitigkeiten. Die Beilegung eines Verfahrens der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung kostete die Bank im dritten Quartal 180 Millionen Franken (150 Mio Euro). In den USA ermittelt die Behörden in einem ähnlichen Fall. Dafür legte Credit Suisse nun überraschend 295 Millionen Franken zurück. Diese Belastungen ließen den Vorsteuergewinn des Privatkundengeschäfts um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 183 Millionen Franken einbrechen.
Damit fiel auch die stabile Stütze für das Geschäft der Bank weg. Im schwankungsanfälligen Investmentbanking gab es mit 190 Millionen Franken den ersten Vorsteuerverlust seit 2008. Vor einem Jahr hatte dieses noch 395 Millionen verdient. "Das dritte Quartal war geprägt von einem sehr schwierigen Marktumfeld, großer Unsicherheit, geringer Kundenaktivität in sämtlichen Geschäftsbereichen und extremer Marktvolatilität", sagte Bankchef Dougan.
Vor allem die Zurückhaltung der Anleger angesichts der schlechten Stimmung an den Finanzmärkten aufgrund der Schuldenkrise macht den Investmentbankern zu schaffen. Zudem gibt es kaum noch Börsengänge und Firmenübernahmen. Den Banken entgehen dadurch Gebühren. US-Branchenprimus Goldman Sachs etwa musste den zweiten Quartalsverlust seiner Geschichte melden.
GRIFF IN DIE TRICKKISTE RETTET BILANZ
Nur der Griff in die Trickkiste der Bilanzierung rettete das Ergebnis und führte unter dem Strich zu einem leichten Gewinnzuwachs. Die Neubewertung der eigenen Schulden brachte einen positiven Beitrag von gut 1,3 Milliarden Franken. So legte der Nettogewinn um 12 Prozent auf 683 Millionen Franken (rund 562 Mio Euro) zu, der Vorsteuergewinn um 38 Prozent auf 1,04 Milliarden Franken. Zu diesem Mittel hatten zuvor auch zahlreiche US-Konkurrenten sowie Erzrivale UBS gegriffen.
Bankchef Dougan versucht das Ruder nun mit einem Konzernumbau herumzureißen. Seine Hoffnungen liegen dabei auf dem Privatkundengeschäft. Es soll bis 2014 seinen Vorsteuergewinn um 800 Millionen Franken pro Jahr steigern. "Wir streben eine branchenweit führende Profitabilität an", sagte der Vorstandschef. Vor allem das Geschäft mit den Superreichen will er ausbauen. Derzeit seien 35 Prozent der Milliardäre weltweit Kunden seines Hauses. Wachstumschancen sieht Dougan vor allem in den Schwellenländern Brasilien, Russland, China und Südostasien. Diese Märkte sollen in drei Jahren ein Viertel der Erträge bei Credit Suisse bringen - derzeit sind es 15 Prozent.
SPARPROGRAMM TRIFFT INVESTMENTBANKER
Dagegen wird das Investmentbanking deutlich eingedampft. Der Stellenabbau trifft besonders diese Sparte, die das Institut seit der Finanzkrise ausgebaut hatte, indem es viele Banker bei der Konkurrenz abwarb. Die Risikoanlagen sollen deutlich reduziert werden. Dougan gab sich optimistisch, mit den Planungen weiter zu sein als die Konkurrenz, die ebenfalls ihre Bilanz aufräumen will und umfangreiche Stellenstreichungen plant.
Allein die britische HSBC will 30.000 Jobs bis 2013 streichen, bei der ebenfalls britischen Lloyds soll bis 2014 Hand an 15.000 Arbeitsplätze gelegt werden. Bei der seit langem schwächelnden Bank of America stehen 30.000 Stellen zur Disposition. Die Schweizer UBS will 3.500 Arbeitsplätze streichen. Bei der Deutschen Bank sind es bislang nur 500. Allerdings deutete das Institut an, dass bei einer anhaltenden Schwäche im Investmentbanking weitere dazu kommen könnten.
An der Börse ging es am Dienstag deutlich abwärts. Die Aktie verlor am bis zum Mittag knapp acht Prozent. Händler sprachen von enttäuschen Ergebnissen. Hinzu kamen neue Sorgen um die Griechenland-Rettung, die den gesamten Bankensektor unter Druck setzten.


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