Kosten für Konzernumbau lassen Qiagen-Gewinn einbrechen: HILDEN/VENLO (dpa-AFX) - Die Kosten für den Konzernumbau mit Stellenstreichungen haben beim Biotechnologie-Unternehmen Qiagen  im abgelaufenen Geschäftsjahr zu einem Gewinneinbruch geführt. Der Überschuss sei um ein Drittel auf 96 Millionen US-Dollar gefallen, teilte das TecDax-Schwergewicht  am Dienstag nach Börsenschluss in den USA mit. Unter Ausklammerung der Sonderbelastungen übertraf der Konzern allerdings sowohl beim Umsatz wie auch beim Gewinn die Erwartungen der Analysten. Qiagen-Finanzvorstand Roland Sackers zeigte sich zuversichtlich:
Vergrößern Kosten für Konzernumbau lassen Qiagen-Gewinn einbrechen | Bild: © Claudiad

Im Vergleich zum Vorjahr erwartet Qiagen im laufenden Geschäftsjahr ein sich beschleunigendes Wachstum. Dazu sollen neue Tests für die Erkennung von Krankheiten, zusätzliche Geräteverkäufe und Einsparungen durch das im November angekündigte Sparprogramm beitragen. "Qiagen ist mit der Restrukturierung schneller vorangekommen, als im November angenommen“, so Sackers. 2011 und 2012 sollten acht bis zehn Prozent der rund 3.900 Stellen gestrichen werden. Im vierten Quartal wurden Restrukturierungskosten von 75 Millionen Dollar verbucht und damit fünf Millionen mehr als zuvor erwartet. Das Kerngeschäft Molekulare Diagnostik, das Qiagen durch die Übernahme von Cellestis und Ipsogen verstärkt hat und zu dem Testverfahren für verschiedene Viruserkrankungen und therapiebegleitende Diagnostika zählen, steuerte 2011 fast 50 Prozent zum Konzernumsatz bei.

SCHWELLENLÄNDER

Weitere Wachstumschancen sehen die Hildener in den Schwellenländern: Die sieben größten Emerging Markets Brasilien, Russland, Indien, China, Südkorea, Mexiko und die Türkei machten 2011 rund zwölf Prozent des Konzernumsatzes aus. Dieser Anteil soll sich mittelfristig in Richtung 20 Prozent erhöhen, sagte Sackers im Gespräch. "Bezogen auf Asien streben wir mittelfristig einen Umsatzanteil von 25 bis rund einem Drittel an.“

2012 soll der Erlös zu konstanten Wechselkursen um etwa sechs bis acht Prozent zulegen. Eine Erholung der Nachfrage im vierten Quartal und günstige Wechselkurseffekte ließen den Umsatz des Roche-Konkurrenten im Gesamtjahr um acht Prozent auf 1,17 Milliarden US-Dollar klettern. Beim bereinigten Gewinn werden 1,03 bis 1,05 Dollar in Aussicht gestellt. 2011 hatten die Hildener 0,98 Dollar erzielt und damit die eigenen wie auch die Erwartungen des Marktes übertroffen. Ohne Berücksichtigung von Sondereffekten verbuchte der Konzern 2011 sowohl operativ wie auch unter dem Strich einen Gewinnanstieg.

HINTERGRUND

Das über Jahre erfolgsverwöhnte Diagnostik-Unternehmen hatte letzten Sommer wegen schwieriger Marktbedingungen in Europa und den USA seine Jahresziele für 2011 überraschend gesenkt und Ende November eine Restrukturierung mit Stellenstreichungen eingeleitet.

Neben Roche gilt Qiagen als führender Anbieter in der sogenannten molekularen Diagnostik. Diese beschäftigt sich mit dem Nachweis von Krankheiten und der Optimierung von Behandlungsmethoden mit Hilfe der Genanalyse. Das Geschäft verspricht Milliardengewinne. Roche hatte jüngst mit seinem Übernahmeangebot für den Gentechnik-Spezialisten Illumina für einen Paukenschlag in den Biotech-Branche gesorgt.