Königshaus: Fehleinschätzungen in der Heimat behindern deutsche Truppen in Afghanistan: Die stockende Versorgung der deutschen Truppen in Afghanistan mit teilweise lebenswichtiger Ausrüstung beruht nach Einschätzung des Wehrbeauftragten der Bundeseregierung, Hellmuth Königshaus, auch auf einer falschen Wahrnehmung der Einsatzsituation.
Vergrößern Königshaus: Fehleinschätzungen in der Heimat behindern deutsche Truppen in Afghanistan | Bild: © ddp

Berlin (dapd). Der Nachrichtenagentur dapd sagte Königshaus, die Soldaten in Afghanistan seien durch Kalaschnikows, Panzerfäuste, selbstgebaute Bomben und Minenfallen bedroht. Da könnten bei der Materialbeschaffung nicht länger alle deutschen zivilen Normen und Bedenken berücksichtigt werden. Als Beispiel nannte er fehlende Minenräumtechnik. Von den US-Truppen benutzte Ausrüstung dürften die deutschen Soldate derzeit nicht nutzen. Der Grund: 'Sie können nicht nach zivilen deutschen Normen, wie der Straßenverkehrszulassung, ausgestattet werden', sagte Königshaus. Die Folgen seien gravierend. Die deutschen Soldaten müssten 'aus den geschützten Fahrzeugen raus, um Sprengkörper zu suchen und von Hand zu beseitigen'.

Problematisch sahen die Soldaten den bürokratischen Wasserkopf und die Doppelstrukturen in Bundeswehr und Verteidigungsministerium. Königshaus wies darauf hin, dass dies auch von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mehrfach kritisiert wurde. Dieser habe darauf hingewiesen, dass die Stabslastigkeit behoben werden müsse und dass die viel zu unscharfe Zuweisung von Zuständigkeiten dazu führe, dass 'jeder irgendwie mitredet, aber keiner wirklich für die konkrete Aufgabe verantwortlich ist'.

Hellmut Könighaus löste im Mai Reinhold Robbe im Amt des Wehrbeauftragten ab. Der 60-jährige Berliner FDP-Politiker beschäftigte sich schon als Bundestagsabgeordneter mit dem Thema Afghanistan. Jetzt ist er offiziell 'der Anwalt aller Soldaten' und kontrolliert im Auftrag des Parlaments die Streitkräfte.

ddp