Das ist mühsamer, als es sich zunächst anhört. «Bei Lebensmitteln für deren Erzeugung die Tiere mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, besteht keine Kennzeichnungspflicht», fasst die Vereinsvorsitzende Gertrud Cordes das Problem zusammen. Insbesondere bei Fleisch, Milch und Eiern sei es deshalb schwierig auszuschließen, dass Gentechnologie bei der Herstellung eine Rolle gespielt habe. «Nötig ist der Blick in den Futtertrog», sagt Cordes, die in Stellshagen ein Hotel mit eigener biologischer Landwirtschaft betreibt.
Um diesen Blick zu gewährleisten, ist es Cordes zufolge wichtig, dass die Produkte aus der Region stammen. «Bei einem Landwirt aus der Nachbarschaft ist die notwendige Vertrauensbasis da», erläutert die Unternehmerin. Dennoch können sie und ihre Mitstreiter bei den derzeit bestehenden Kennzeichnungsvorschriften nur bei Bioprodukten garantieren, dass die Lebensmittel wirklich gentechnikfrei sind. «Deshalb kann unsere Selbstverpflichtung zunächst nur eine Absichts- und Willensbekundung sein», räumt Cordes ein.
Cordes ist schon seit langer Zeit Gegnerin von gentechnisch veränderten Pflanzen und Lebensmitteln und wollte ihren Gästen nicht «durch die Hintertür» entsprechend manipulierte Lebensmittel anbieten. In der Diskussion mit gleichgesinnten Gastwirten aus der Region entstand schließlich die Idee zu dem Verein, der inzwischen rund 20 Mitglieder zählt. Dazu gehört neben kleineren Bauernhöfen, Gaststätten und Hotels wie dem von Volkmar Nake mit dem Seehotel Boltenhagen auch ein großes Vier-Sterne-Haus. Auch ein Brauer aus Bayern ist dem Verein beigetreten und beliefert die Mecklenburger Gastwirte mit gentechnikfreiem Bier.
Landwirt Franz Joachim Bienstein aus Martensdorf ist dem Verein ebenfalls beigetreten. Ihn habe das Anliegen einfach überzeugt. «Die Mehrheit der Bevölkerung lehnt gentechnisch veränderte Lebensmittel ab. Es wäre doch idiotisch, wenn ich als Bauer etwas produzieren würde, was niemand kaufen will», begründet er sein Engagement. Außerdem eröffne sich ihm ein neuer Kundenkreis. «Da ein weiterer Schwerpunkt der Initiative auf der Verwendung regionaler Produkte liegt, kann die hiesige Landwirtschaft von dem Vorstoß nur profitieren», sagt Bienstein.
Das Landwirtschaftsministerium begrüßt die Initiative. «Alles, was dazu dient, die Verbraucher aufzuklären und Transparenz zu schaffen, sehen wir positiv», sagte eine Sprecherin auf ddp-Anfrage. Vor allem bei den Gästen im Klützer Winkel kommt die Absicht der Gastronomen gut an. Als Volkmar Nake zum ersten Mal ein ausdrücklich gentechnikfreies Gericht auf die Karte setzte, war es innerhalb einer Stunde ausverkauft, trotz des höheren Preises. Inzwischen hat er ständig ein naturbelassenes Gericht im Angebot. Sein politisches Engagement findet Nake neben seiner Arbeit als Gastronom sehr wichtig. «Ich bin wirklich kein Radikaler, aber ich will ein Körnchen im Getriebe sein», sagt er.
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