Berlin (dapd-bln).
Es ist die letzte Probe der Kinderoper Lichtenberg im Jugendfreizeitzentrum Steinhaus, bevor die Kinder in der Staatsoper im Schiller Theater Opernluft atmen werden. Am Freitag öffnen sich die Vorhänge für die Premiere des Stücks 'Mir träumte! - Ein inszenierter Liederabend'. Spielen werden die Kinder vor ausverkauftem Haus.
Zum zweiten Mal organisiert der Caritasverband für das Erzbistum Berlin das Projekt mit Kindern aus dem Kiez Frankfurter Allee Süd. 29 Mädchen und Jungen zwischen 6 und 14 Jahren sind in diesem Jahr dabei. Einmal in der Woche treffen sie sich im Freizeitzentrum und proben für ihren großen Auftritt in der Staatsoper, die wegen der Generalsanierung des Hauses im Herbst 2010 in das Schiller Theater umgezogen ist.
Das Kinder-Projekt ist nach Angaben des Caritasverbandes in dieser autonomen Form einzigartig in Deutschland. Nach der Premiere des ersten Stücks im vergangenen Jahr hatten vor allem die Kinder sich eine zweite Produktion gewünscht. 'Sie haben uns richtig angefleht, weil sie so begeistert waren', erzählt Regisseurin Sarah del Lago.
Klara macht in diesem Jahr das erste Mal bei der Kinderoper mit. Ihre Schulfreunde hatten der Elfjährigen von dem Projekt erzählt. Jetzt, ein paar Tage vor der Premiere, probt sie die letzten Feinheiten ihrer Rolle: 'Ich spiele einen eitlen Vogelprinzen und muss ganz hoch sprechen', erzählt sie mit piepsiger Stimme und lacht. 'Das ist noch etwas schwierig.' Trotzdem freut sie sich auf die Aufführungen. 'Meine ganze Familie kommt und schaut zu. Das wird schön.'
Auch ihre Freundin Rabea zeigt keine Anzeichen von Lampenfieber. Sie hat schon im vergangenen Jahr mitgemacht. Für sie sind die Aufführungen das Beste am ganzen Projekt. 'Da lernt man erst mal, was so alles in einem steckt', sagt sie.
Kinder an die Oper heranzuführen, die sonst nichts mit klassischer Musik zu tun haben, sei wichtiger Anspruch der Lichtenberger Kinderoper, erklärt Caritas-Regionalleiterin und Initiatorin des Projekts Regina Lux-Hahn. 'Wir wollen den Kindern Oper nahe bringen, als sei es das Natürlichste von der Welt.' Deshalb führen die Kinder auch keine fertige Oper auf, sondern erarbeiten gemeinsam mit ihrer Regisseurin Sarah del Lago seit Beginn des Jahres ein eigenes Stück. Das diesjährige Stück erzählt die Geschichte der kleinen Melissa, die in einer armen Familie lebt und den alltäglichen Sorgen mithilfe von Träumen entflieht.
Um die Gesangs- und Instrumentalpassagen zu üben, arbeiten neben der Regisseurin unter anderem auch Musiker, Musikpädagogen und Sozialpädagogen am Projekt mit. Zwei der Hauptrollen übernehmen professionelle Sänger. Sarah del Lago ist es wichtig, dass die Kinder nicht nur einen Text auswendig lernen und auf der Bühne aufsagen. 'Die Kinder sollen verstehen und fühlen, was sie da sagen und singen.' Zwar träfen bei den Proben Kinder mit ganz verschiedenen sozialen Hintergründen aufeinander, das Projekt sei aber nicht nur ein sozialpädagogisches, fügt del Lago hinzu. 'Wir haben auch einen hohen künstlerischen Anspruch.' Deshalb hat sie das Wechselspiel aus Traumsequenzen und Realität mit Texten von Rilke, Schwitters und Ringelnatz angereichert.
Während im Jugendzentrum nun einige Jungen ein Gedicht proben, kann Klara entspannt zuschauen, denn sie hat ihre Probe hinter sich. 'Jetzt fehlt nur noch mein Federkostüm und die Schminke, dann kann ich ein richtiger Vogelprinz sein', sagt sie. Auch Sarah del Lago glaubt an die Magie des Bühnenauftritts, die alles Geprobte abrufbar macht: 'Ich kenne das ja aus dem letzten Jahr. Wenn die Kinder dann auf der Bühne stehen mit der Maske und den Kostümen, dann werden sie zu richtig kleinen Profis.'
dapd


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