Wiesbaden (dapd-hes). Zögerlich steht Nina mit ihrer Gitarre vor der Jury. Die Zehnjährige mit den blauen Fingernägeln greift am Montag in Wiesbaden die ersten Akkorde von 'C’est Fini'. Mit dem selbst geschriebenen Chanson hat es die Schülerin aus Frankfurt am Main unter die besten 16 Nachwuchskomponisten beim Wettbewerb 'Dein Song' des Kinderkanals Ki.Ka geschafft. Am Dienstag soll entschieden werden, welche Teilnehmer eine Runde weiter kommen.
'In dem Lied geht es um zerbrochene Liebe', berichtet Nina. Das habe sie zwar noch nie selbst erlebt, aber Berichte und Erlebnisse anderer verarbeitet. 'C’est fini' ('Es ist aus') sei vor eineinhalb Jahren der erste Song gewesen, den sie geschrieben habe. Damals sei sie noch in eine französischsprachige Grundschule gegangen.
'Mittlerweile sind es um die 30', sagt die Schülerin. Alle anderen Lieder sind auf Englisch oder Deutsch. Mit ihren zehn Jahren ist Nina die jüngste Teilnehmerin bei 'Dein Song'. Sie hat sich gegen Hunderte weitere Bewerber durchgesetzt. Mit ihr ist ein weiterer Hesse unter den Besten des Wettbewerbs: Der 18-jährige Kai aus Dietzenbach. Er singt auf Englisch 'Memories of U.S.'.
Pianist und Jury-Mitglied Joja Wendt betont: 'Keiner erwartet, dass hier jemand einen perfekten Song abliefert'. Neben ihm bewerten die Sängerinnen Annett Louisan und Jenniffer Kae und der Musikproduzent Peter Hoffmann als Jury-Mitglieder die Kinder. Hoffmann erklärt, die Bewertung sei keine Kritik, sondern eher ein pädagogisches Gespräch. Die Teilnehmer würden nicht beleidigt, sondern sollten mit Hilfe der Jury ihren Song verbessern. Er betont: 'Songschreiben ist ein Handwerk, das in Deutschland viel zu wenig gefördert wird'.
Nina berichtet, das Texten bereite ihr viel Spaß. 'Ich hab das mal ausprobiert und es klang ganz schön'. Ihr Vater und Bekannte hätten sie zur Teilnahme an dem Wettbewerb motiviert. Vater Torsten ist Hobbymusiker und brachte seiner Tochter das Gitarrenspielen bei. Er sagt, seine Tochter schreibe manchmal zwei bis drei Songs an einem Wochenende. Die Musik dominiere allerdings nicht den Alltag - die Gymnasiastin spielt noch Fußball, ist Klassensprecherin und tanzt gerne.
Die Zehnjährige geht mit nicht so hohen Erwartungen in den Wettbewerb: 'Ich will so viel Spaß wie möglich und so viel Musik machen wie möglich'. Sollte sie es unter die besten Acht schaffen, die ihren Song im Tonstudio produzieren dürfen, will sie 'C’est fini' auch selbst einsingen. 'Aber nicht mit 20 Tonspuren übereinander wie bei Rihanna', betont sie. Momentan sei die Französin Zaz ihre Lieblingssängerin.
Schafft Nina es unter die Finalisten, arbeitet sie dann auch mit bekannten Musikern zusammen. Jedem der letzten acht Kandidaten wird bei dem Wettbewerb ein berühmter Pate zur Verfügung gestellt, der beim Produzieren hilft. Die Frankfurterin würde sich besonders über Hilfe von der Band Jupiter Jones oder der Sängerin La Fee freuen, berichtet sie. Dass sie vor der Jury patzen und den Text vergessen könnte, davor hat Nina keine Angst: 'C’est fini' kenne sie im Schlaf.
Bevor es jedoch ins Studio geht, wählt die Jury erstmal aus, welche zehn Jugendliche im September mit ins Komponistencamp auf Ibiza dürfen. Dort soll den Songs laut Ki.Ka der letzte Feinschliff verpasst werden. Beim live gesendeten Finale im Frühjahr 2012 entscheiden die Zuschauer, welcher Nachwuchskomponist den besten Song geschrieben hat.
Dass es sich um einen Wettbewerb handelt und nur einer der Jugendlichen gewinnen kann, ist aber allen klar. 'Die jungen Talente kommen mit ihrem Träumen im Gepäck, und wir können nicht alle mitnehmen', betont Moderatorin Johanna Klum.
dapd


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