Die grün-rote Landesregierung und die Naturschutzverbände NABU und BUND begrüßten die Entscheidung. Neben Mannheim mit einer Leistung von 220 Megawatt wurden das Kraftwerk 2 Mainz-Wiesbaden (Gasturbine) und Block C des Kohlekraftwerk in Ensdorf (Saarland) ausgewählt. Bis zuletzt war auch der Atom-Meiler Philippsburg I als Reserve im Gespräch gewesen. Die Landesregierung hatte sich aber bereiterklärt, dass im Großkraftwerk Mannheim, das einem Verbund aus RWE , EnBW und MVV gehört, fünf statt bisher vier Blöcke gleichzeitig in Betrieb sein dürfen.
Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) erklärte: "Damit ist das primäre Ziel, keines der wegen Sicherheitsmängeln abgeschalteten acht deutschen Atomkraftwerke wieder ans Netz nehmen zu müssen, erreicht." Ohnehin sei es auch möglich, "dass es solche Engpässe im kommenden Winter überhaupt nicht oder nur in sehr geringem Umfang gibt".
Die Betreiber des Großkraftwerks Mannheim sicherten zu, "dass auch bei einem erweiterten Betrieb alle gesetzlichen Grenzwerte nicht nur eingehalten, sondern deutlich unterschritten werden". Die erforderlichen Genehmigungsunterlagen würden jetzt so schnell wie möglich beim Regierungspräsidium Karlsruhe eingereicht.
"Insgesamt haben wir in Deutschland zusätzliche, gesichert zur Verfügung stehende Reservekapazitäten in Höhe von 1009 Megawatt sowie sicher zur Verfügung stehende Reserveleistung in Österreich in Höhe von 1075 Megawatt ermittelt", sagte Kurth. Die Mehrkosten durch die konventionellen Kaltreserven müssen die Verbraucher über die Netzentgelte zahlen.
"Die Sicherheit muss uns das wert sein", betonte der Präsident der Bundesnetzagentur. Ein Kernkraftwerk als Kaltreserve hätte nach Schätzung der Regierung 50 Millionen Euro pro Jahr gekostet. Experten hatten kritisiert, dass es im Fall von Engpässen zu lange dauern könnte, bis ein Atomkraftwerk wieder angefahren werden kann und Strom liefert.
"Den dritten Block des Mannheimer Kohlekraftwerks als Kaltreserve zu nutzen, ist die am wenigsten schlechte Lösung", sagte der NABU-Landesvorsitzende Andre Baumann. "Jetzt ist es wichtig, dass schleunigst effiziente Gaskraftwerke als Reservekraftwerke ausgebaut werden." Die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender sagte: "Die heutige Entscheidung ist insofern zu begrüßen, als ein Stand-By-Betrieb alter Risiko-Atomkraftwerke verhindert wurde." Es sei ohnehin sehr unwahrscheinlich, dass das Kohlekraftwerk Mannheim tatsächlich als Reserve angefahren werden müsse.


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