Katholische Jugendliche sind gewaltfreier: Der Landkreis Emsland hat die niedrigste Jugendkriminalitätsrate in Deutschland. Das geht aus einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) hervor. Hauptgrund dafür sei die bei emsländischen Jugendlichen besonders stark ausgeprägte Kombination aus Glaube und Gemeinschaft, sagte KFN-Direktor Christian Pfeiffer am Dienstag in Meppen.
Vergrößern Katholische Jugendliche sind gewaltfreier | Bild: © dapd

Meppen (dapd-nrd). Dem Institut liegen nach eigenen Angaben Vergleichsdaten von Neuntklässlern aus 44 deutschen Landkreisen vor.

Speziell die Zugehörigkeit zur katholischen Kirche sei ein Indikator für Gewaltfreiheit. 'Je höher der Anteil katholischer Jugendlicher, desto niedriger ist die Kriminalitätsrate', sagte der Kriminologe. Nur diese Kirche schaffe es, männliche Jugendliche mit niedrigem Bildungsstandard als größte Risikogruppe zu erreichen. 70 Prozent der emsländischen Jugendlichen sind den Angaben zufolge katholischen Glaubens.

Ein weiterer Grund für die geringe Kriminalitätsrate im Emsland seien die vergleichsweise intakten Familienverhältnisse, fügte Pfeiffer an. Nur 39,9 Prozent der Jugendlichen geben an, in ihrer Kindheit elterliche Gewalt erlebt zu haben. Bundesweit seien es 58,2 Prozent. Daraus resultierend hätten nur 6,7 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen davon berichtet, selber eine Straftat begangen zu haben. Bundesweit liegt die Quote bei 13,7 Prozent.

Alkoholkonsum über dem Durchschnitt

Nur im Punkt Alkoholmissbrauch hinken emsländische Jugendliche im bundesweiten Vergleich hinterher. 26 Prozent berichten von wöchentlichem Alkoholkonsum, während es im gesamten Land nur 23 Prozent sind. 70 Prozent der befragten Siebt- und Neuntklässler sind bereits mit 'Rauschtrinken', also dem Genuss von mehr als fünf alkoholischen Getränken an einem Tag, in Berührung gekommen.

Im Punkt des Alkoholkonsums wirke sich die katholisch geprägte Kultur mit ihren zahlreichen Volks- und Schützenfesten negativ aus. 'Hier muss gegengesteuert werden', forderte Pfeiffer den Landkreis Emsland auf.

Mehr als 3.000 Schüler aus 122 emsländischen Schulen haben an der Studie teilgenommen und einen 30-seitigen Fragenkatalog zu ihren Gewalterfahrungen beantwortet. Einbezogen wurden Kinder und Jugendliche der vierten, siebten und neunten Klassen aller Schulformen.

dapd