Jeder siebte von Armut bedroht: In Deutschland ist rund jeder siebte Mensch von Armut bedroht. Die höchste Armutsgefährdung bestand mit 23 Prozent im vergangenen Jahr in Mecklenburg-Vorpommern, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. In Sachsen-Anhalt waren 22 Prozent, in Bremen 20 Prozent der Einwohner armutsgefährdet.
Vergrößern Jeder siebte von Armut bedroht | Bild: © ddp

In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern hatte dagegen ungefähr jeder neunte Mensch ein erhöhtes Armutsrisiko (jeweils 11 Prozent).

Gemäß der Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung auskommen müssen. Der Mikrozensus 2009 ergab gravierende Unterschiede zwischen West- und Ostdeutschland. Hatte in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) knapp jeder fünfte Einwohner ein erhöhtes Armutsrisiko, waren im früheren Bundesgebiet 13 Prozent der Menschen armutsgefährdet. Lediglich die Einwohner ab 65 Jahren hatten in den neuen Ländern mit zehn Prozent ein geringeres Armutsrisiko als im früheren Bundesgebiet, wo die Quote bei 13 Prozent lag.

Ein besonders hohes Armutsrisiko haben der Untersuchung zufolge Alleinerziehende und ihre Kinder (40 Prozent) sowie Erwerbslose (54 Prozent), insbesondere jene in Sachsen-Anhalt (70 Prozent).

Der Sozialverband VdK warnte, die wachsende Armut werde in den kommenden Jahrzehnten zu einem sozialen Sprengsatz, wenn die Politik nicht gegensteuere. Verbandschefin Ulrike Mascher forderte die Bundesregierung auf, Teile des Sparpakets und der Gesundheitsreform zu stoppen.

Beschlüsse wie die Abschaffung des Rentenversicherungsbeitrages für Arbeitslosengeld-II-Empfänger und die Streichung des Heizkostenzuschusses für Wohngeldempfänger, aber auch die steigenden Zusatzbeiträge der gesetzlichen Krankenkassen träfen die sozial Schwachen besonders hart. Die Streichung des Elterngeldes für Arbeitslosengeld-II-Empfänger erhöhe zudem das Armutsrisiko von Alleinerziehenden, sagte Mascher.

ddp