Jahre - Harte Zeiten für private Arbeitsvermittler: 15 Jahre nach ihrer Gründung beklagt die Branche manche Ungerechtigkeiten Die Branche der privaten Arbeitsvermittler rechnet für das Jahr 2010 in Sachsen-Anhalt mit weniger ausgezahlten Vermittlungsgutscheinen im Vergleich zum Vorjahr.
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«Wir gehen davon aus, dass die derzeitigen Maßnahmen der Bundesagentur für Arbeit zur Einschränkung der Privaten Arbeitsvermittlung und zu 20 Prozent weniger Einlösungen führen», sagt Ralf Koch vom Ring der Arbeitsvermittler e.V. in Sachsen-Anhalt. Als Grund nennt Koch die aus seiner Sicht unsinnige Verlängerung der Ausgabe jener Gutscheine, mit denen sich Arbeitssuchende bei privaten Arbeitsmittlern melden. «Über 60 Tage und manchmal noch länger müssen die Leute derzeit darauf warten, bis sie uns kommen können», sagt Koch.

Unter solchen Bedingungen sei die Arbeit tatsächlich mühsam, sagt auch Sabine Mohs. Die 47-jährige Betriebswirtin ist seit drei Jahren private Arbeitsvermittlerin in Dessau und hat mit der Regelung durch die Bundesagentur zu kämpfen. «Die Leute werden mit fragwürdigen Maßnahmen künstlich vom Arbeitsmarkt ferngehalten», sagt Mohs.

Dabei sucht sie in manchen Bereichen händeringend nach Arbeitnehmern. «Gerade bei dem qualifizierten Personal herrscht eine starke Nachfrage. Diese Leute findet man nur sehr schwer», sagt Mohs. Sie erinnert sich an den Fall eines 34-jährigen Lageristen. «Der Mann hatte Defizite im Bereich EDV-Kenntnisse. Doch anstatt eines Computerkurses musste er ein wochenlanges Bewerbungstraining absolvieren», sagt sie. Dieser Fall ist ihrer Meinung nach exemplarisch. Anstatt die potenziellen Arbeitnehmer durch schnelle Vergabe von Vermittlungsscheinen dem Markt zur Verfügung zu stellen, würden sie durch Weiterbildungen in künstlicher Wartestellung gehalten.

Die neuen Regelungen des Arbeitsamtes zur Vergabe von Vermittlungsgutscheinen gibt es seit 2008, seitdem fühlt sich die Branche zu Unrecht reglementiert. «Die tatsächlichen Erfolge der Branche werden schlichtweg unterschätzt», sagt Hendrik Diessen, Sprecher des Bundesverbandes der Personalvermittler. Immerhin «300 000 bis 500 000 Stellenbesetzungen jährlich» gingen auf das Konto privater Vermittler. «Viele Stellen werden bereits vor einer offiziellen Meldung beim Arbeitsamt vermittelt. Die tauchen also erst gar nicht in der Arbeitslosenstatistik auf», sagt Diessen.

Zudem nehmen die privaten Arbeitsvermittler für sich in Anspruch, im Unterschied zur staatlichen Konkurrenz besser auf die Bedürfnisse ihrer Kunden und an die Erfordernisse am Arbeitsmarkt eingestellt zu sein. «Im Unterschied zur Arbeitsagentur ist die Betreuung von einfachen Berufsgruppen so professionell wie früher nur für Führungskräfte durch Headhunter», sagt Diessen. Die Wunderwaffen der Personalberater heißen persönliches Coaching, Karriereberatung und das Gestalten der Unterlagen.

Auch die Dessauerin Sabine Mohs gibt ihren Arbeitssuchenden individuelle Hilfe, etwa beim Verfassen von Bewerbungsschreiben. Manchen Bewerber begleitet sie sogar zu Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern. «Es geht einem nahe, wenn es dann nicht klappt», sagt sie über ihr fast schon persönliches Verhältnis zu manchem der Arbeitsuchenden. Doch die intensive Betreuung der Arbeitssuchenden käme oftmals gar nicht mehr zum Tragen. «Ab einer gewissen Zeit sind die Leute nicht mehr bereit, sich intensiv auf den Arbeitsmarkt einzulassen», sagt Mohs.

Dessau (ddp-lsa)