«Ich muss mich in den Baum hineindenken, schauen, wie das Holz wächst», sagt der 31-Jährige. Hinter seinem verschmitzten Grinsen kann man noch den Jungen erahnen, der in den Wald ging, ein Stück Holz holte und daraus einen Flitze-Bogen schnitzte. «Der hat dann 20 Mal schön geschossen und das war's», erinnert er sich.

Doch Federspieler gab nicht auf. Durch Fantasy-Romane wie «Der Herr der Ringe» und Rollenspiele inspiriert, wollte er den perfekten Bogen bauen. Er übte und übte und lernte schließlich einen Bogenbauer kennen. «Irgendwann konnte ich nicht mehr aufhören», sagt er. Seit zwölf Jahren baut er Bogen. Vor einem Jahr hat er sich mit dem Handwerk selbstständig gemacht. Schätzungen zufolge gibt es in Deutschland nur ein halbes Dutzend professionelle Bogenbauer.

Federspieler wohnt und arbeitet in Lohrhaupten (Main-Kinzig-Kreis) im hessischen Teil des Spessarts. «Ich hab hier die optimalen Möglichkeiten für den Bogenbau», sagt er. Die Straße zu dem kleinen Ort führt kilometerlang durch den Wald. Federspieler holt sich hier das Material für seine Langholzbögen: Robinienholz. Andere fertigt er aus Osage-Orange, das muss er aus Nordamerika importieren. An der weiß gekalkten Wand seiner Werkstatt hängen fertige Holzbögen. Nebenan in einer Scheune lagert das Holz. «Das muss ein bis eineinhalb Jahre ruhen, bis es die richtige Holzfeuchtigkeit erreicht hat», erläutert er.

Das Robinienholz ist von heller Farbe. Damit aus einem zwei Meter langen Klotz ein filigraner Bogen wird, muss Federspieler viel Zeit und Mühe investieren. 40 Stunden Arbeit stecken in jedem Langbogen. Es ist akribische Arbeit, bei der der 31-Jährige auch darauf achten muss, das Holz nicht überzustrapazieren. Nachdem er in groben Zügen die überflüssigen Schichten vom Holz abgetragen hat, wird die Arbeit feiner. Federspieler muss nun den Wurfarmen, so heißen die Bogenteile unter- und oberhalb des Griffs, ihre Form geben. Immer wieder überprüft er, ob der Bogen weich wird und sich biegen lässt.

«Beim Bogenbauen wird man geduldig», sagt Federspieler. Er verbringt oft den ganzen Tag in seiner Werkstatt. Zwischendurch geht er in die Scheune nebenan und schießt einen neuen Bogen ein. An der Wand lehnen mehrere Bündel Stroh. Davor ist eine bunte Zielscheibe montiert. Die Farben sind kaum noch zu erkennen. Das Blau in der Mitte der Scheibe ist gesprenkelt mit Einschuss-Löchern. Federspieler nimmt selbst an Parcour-Turnieren teil. Dann jagt er mit anderen Schützen durch den Wald, zielt auf Wildschweine aus Plastik. Die Jagd mit dem Bogen auf lebende Tiere ist in Deutschland verboten.

Aus dem ganzen Land kommen Menschen, um Bögen von Federspieler zu kaufen. «Neulich war ein Ehepaar aus Potsdam da», sagt er. Man könne zwar den Bogen auch am Telefon bestellen. Aber die meisten Interessenten kämen in Lohrhaupten vorbei, um einen Bogen auszuprobieren. «Die Menschen schätzen die Handarbeit, das ist ja nix von der Stange. Jeder Bogen ist ein besonderes Stück», sagt Federspieler. Manchmal falle es ihm auch schwer, einen Bogen wegzugeben. Zwischen 350 und 500 Euro kostet ein Bogen.

Federspieler gibt auch Wochenendkurse im Bogenbau. Die Teilnehmer erhalten Grundkenntnisse in Holzkunde, schnitzen aus einem vorbereiteten Rohling einen eigenen Bogen und lernen ihn einzuschießen. «Da sind manchmal Leute dabei, die noch niemals im Leben was mit Bögen zu tun hatten», sagt er. Die meisten Teilnehmer seien nach dem Kurs vom Bogenbau begeistert.

Einen eigenen Bogen, mit dem er voll und ganz zufrieden ist, hat Florin Federspieler bisher nicht: «Irgendwann will man immer wieder einen Neuen haben. Ich kann noch nicht sagen, den perfekten Bogen gebaut zu haben.»

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