Unna (dapd-nrw). Zumal dieser bereits mehrfacher Europameister ist und 2001 von den Sportjournalisten zum 'Golfer des Jahres' gewählt wurde. Bei der Sportgala überreichte ihm damals Franz Beckenbauer den Ehrenpreis für seine Verdienste um den Sport.
Dieser hat im Leben des Ivars Weide schon immer eine große Rolle gespielt. Doch immer wieder traf ihn auch das Schicksal hart. So spielte Weide von 1965 bis 1971, als er noch sehen konnte, mit dem KEV Krefeld in der 1. Eishockey-Bundesliga - bis ein Unfall mit dem Rad seine Karriere abrupt beendete. Der Athlet brach sich die Wirbelsäule und sah sich selbst schon gelähmt im Rollstuhl. Doch diesem noch einmal knapp entkommen, kämpfte sich Weide zurück ins (Sportler-)Leben. Als Sportinvalide bestand er seine A-Lizenz und trainierte von 1976 bis 1978 die Duisburger bis zum Aufstieg ins Eishockey-Oberhaus.
18 Knochenbrüche und ein künstliches Hüftgelenk erinnern den Vater zweier mittlerweile erwachsener Kinder noch heute schmerzlich an den schweren Unfall von damals. Und nach zwei Herzinfarkten binnen einer Woche konnte es eigentlich nicht mehr schlimmer kommen für den Sportinvaliden. Dachte er.
Wenn da nicht die Erb- und Stoffwechselkrankheit 'Retinitis pigmentosa' (Netzhaut-Degeneration) wäre, die ihm in den vergangenen 15 Jahren die Netzhaut von seinen stahlblauen Augen fraß. 'Es ist ein schleichender Prozess, erst die Nachtblindheit, dann stößt du das Glas vor dir um, dann erkennst du nur noch Umrisse…', sagt Weide.
Seither spielt der heute 63-Jährige - wie er scherzend sagt - mit seinen Kindern und Enkeln 'Verstecken' oder 'Blinde Kuh', muss aber auf sein geliebtes Tennisspiel verzichten. 'Beim Tennis musst du reagieren, nicht aber beim Golf', erklärt der Ausnahmesportler. 'Da agierst du. Du weißt, wo der Ball liegt und wie du ihn schlagen musst.' Das weiß Weide dank seiner Ehefrau Gaby (50): 'Ohne Gaby ging und geht gar nichts.'
Gaby Weide stellt ihren Mann auf und ein, sie dreht ihn auf elf oder zwölf Uhr zum Ball, sie gibt mit Holz und Eisen auch die Längen von bis zu 170, 180 Metern vor und rappelt mit der Stange im Loch, damit ihr Mann Entfernung und Richtung auf dem Grün auch hören kann. Dabei entscheiden klare Ansagen wie 'Nase' oder 'Popo' über Erfolg oder Enttäuschung des nach wie vor ehrgeizigen Sportlers. 'Weil rechts oder links immer vom Standpunkt abhängen und wir uns gegenüber stehen, klappt es besser mit Nase oder Popo', erklärt Gaby Weide, wie sie ihren Mann dirigiert. Das sorgt immer wieder für fragende Blicke bei den Mitspielern, die aber vor allem über die unglaubliche Präzision der Schläge des blinden Golfers erstaunt sind.
Damit hat Weide eines seiner Ziele erreicht: Anerkennung. Mit diesem Gewinn kann und will er auch etwas zurück geben, 'denn ich habe viel bekommen und vielen sehr viel zu verdanken'. So arbeitet der 63-Jährige ehrenamtlich als Schöffe am Amtsgericht in Unna und behauptet, ein ganz spezielles Ohr für die Vorgänge im Gerichtssaal und die Aussagen der Angeklagten und Zeugen zu haben. Denn 'ich höre was, was du nicht siehst', sagt Weide über seine Arbeit bei Gericht.
Außerdem engagiert sich der 63-jährige für andere Behinderte, führt sie im Rollstuhl spazieren ('Die können ja sehen') und lehrt andere Blinde das Golfen. Missverständnisse allerdings sind dabei nicht ausgeschlossen: Als bei den nationalen Golfmeisterschaften der Behinderten ein Gehörloser geehrt wird, ist Weide als Blinder der einzige, der laut applaudiert und Bravo ruft, während alle anderen mit hoch ausgetreckten Händen dem Sieger winken. Weide nimmt’ es einmal mehr spaßig: 'Naja, kann passieren', sagt er. 'Mein Freund im Rollstuhl hat auch schon mal ein Fahrrad gewonnen und ich ein Teleskop.'
(http://www.blindengolf.de )
dapd


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