INTERVIEW/Actavis-CEO will mit Insulin-Deal Branche aufmischen: Im Jahr 2010 teilten sich die drei quasi den Weltmarkt unter sich auf und kamen auf einen Marktanteil von rund 97%
Vergrößern INTERVIEW/Actavis-CEO will mit Insulin-Deal Branche aufmischen | Bild: © ad-hoc-news

DJ INTERVIEW/Actavis-CEO will mit Insulin-Deal Branche aufmischen Von Eyk Henning DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones) Der Generikahersteller Actavis will laut CEO Claudio Albrecht dank eines am Montag verkündeten Insulin-Deals mit dem polnischen Unternehmen Bioton SA den Weltmarkt für Diabetesmedikamente aufmischen. "Wir wollen die drei etablierten Anbieter Eli Lilly, Sanofi Avents und Novo Nordisk angreifen und versprechen uns gute Chancen", sagte Albrecht im Gespräch mit Dow Jones Newswires. Im Jahr 2010 teilten sich die drei quasi den Weltmarkt unter sich auf und kamen auf einen Marktanteil von rund 97%. Im Rahmen der Vereinbarung zur Entwicklung und Zulassung von Human- und Analog-Insulinen wird Actavis die Bioton-Produkte in Europa, den USA und Japan auf den Markt bringen. Der Firmenwert (Enterprise Value) von Actavis werde dadurch um rund 900 Millionen Euro steigen, rechnete der ehemalige Ratiopharm-Chef weiter vor. In den drei Regionen stieg der Umsatz mit Human- und Analog-Insulin um durchschnittlich mehr als 17 Prozent zwischen 2008 und Ende 2010, wie aus einer Studie des Brancheninformationsdienstes IMS Health hervorgeht. Weltweit wachse der Insulin-Umsatz um jährlich 14 Prozent, wobei der Umsatz in 2010 bei 12 Milliarden Euro lag. Albrecht ist optimistisch, den etablierten Spielern mit den Nachahmermedikamenten Markt-Anteile abzuknöpfen. "Wir haben das breiteste Angebot an Diabetes-Medikamenten und sind deutlich günstiger als die Konkurrenz", so der Manager. Bioton verfüge über rund 60 Medikamente zur Behandlung von Diabetes sowie häufig damit einhergehenden Erkrankungen. Da Patienten im Krankheitsverlauf bis zu 30 verschiedene Medikamente einnehmen, glaubt Albrecht an den Vorteil vieles au seiner Hand bieten zu können. Zudem will er den Wettbewerb mit bis zu 30 Prozent niedrigeren Preisen unter Druck setzen. "Unser Insulin ist seit über zehn Jahren auf dem polnischen Markt, mit ausgezeichneten Resultaten bei Patienten in Sachen Effizienz und Sicherheit", so Albrecht weiter. Bioton hat eine ähnliche Vereinbarung mit dem Pharmakonzern GlaxoSmithkline laufen, derzufolge die Briten das Bioton-Insulin in Russland vertreibt. Mit Bayer Schering Pharma sicherte sich bereits 2009 die Rechte für den chinesischen Markt. Manager Albrecht hob im Zuge der Vereinbarung mit Bioton die langfristige Umsatzprognose auf 15 Prozent bis 17 Prozent an, nachdem zuvor ein jährlicher Zuachs von 10 Prozent angepeilt wurde. Actavis ist allerdings auch zum Wachsen gezwungen. Analysten sehen kleine und mittelgroße Generikahersteller mittel- bis langfristig als zu klein zum Überleben. Der Actavis-CEO räumte ein, dass sein Unternehmen wachsen muss, um langfristig weiterhin eine große Rolle spielen zu können. Als Ziel hat sich Albrecht gesetzt, Actavis innerhalb der kommenden Jahre auf Kurs zu bringen und das Unternehmen zu einem "begehrenswerten Kandidaten" zu machen, um einen Wettbewerber zu übernehmen, zu verschmelzen oder an die Börse zu gehen. Dieser Plan dürfte auch der Deutschen Bank gefallen, ohne deren Rückendeckung Actavis seine Wachstumspläne wohl nicht verfolgen könnte. Das Frankfurter Institut hat einst den Löwenanteil der Kreditfinanzierung gestellt, als vor mehr als drei Jahren der isländische Milliardär Thor Bjorgolfsson die bis dato börsennotierte Actavis für 3,62 Milliarden Euro privatisierte. Das Unternehmen musste anschließend diese Schulden schultern. Mittlerweile haben die Beteiligten zwar eine Refinanzierungsvereinbarung geschlossen, durch die die Schuldenlast von Actavis deutlich gesunken ist. Dennoch dürfte die Deutsche Bank weiterhin Milliarden im Feuer haben. - Von Eyk Henning, Dow Jones Newswires; +49 69 29725 108, eyk.henning@dowjones.com

DJG/kla

(END) Dow Jones Newswires January 30, 2012 05:31 ET (10:31 GMT) Copyright (c) 2012 Dow Jones & Company, Inc.