Initiative - Initiative «Eine Schule für Alle» kritisiert Schulstrukturreform: Grüne stimmen zu - VBE: «Das Ziel ist richtig, der Weg ist falsch» Die rheinland-pfälzische Initiative «Eine Schule für Alle» hat die zum Schuljahr 2009/2010 eingeführte Schulstrukturform als «halbherzig» kritisiert. «Dadurch behält das Land ein gegliedertes Schulsystem, das zu früh Kinder auf nicht gleichwertige Schularten verteilt», sagte Frieder Bechberger-Derscheidt von dem gemeinnützigen Verein am Dienstag in Mainz. Dadurch werde eine «schädliche soziale Auslese» in Kauf genommen und der Zusammenhang zwischen Schulerfolg und sozialer Herkunft weiter festgeschrieben. Durch die Reform sollen alle Haupt- und Realschulen im Land bis zum Schuljahr 2013/2014 in «Realschulen plus» umgewandelt werden.
Vergrößern Initiative - Initiative «Eine Schule für Alle» kritisiert Schulstrukturreform | Bild: ©

Die Initiative von Lehrern, Eltern und anderen Mitarbeitern im Bildungsbereich fordert die Einführung einer einheitlichen Schule bis zur 10. Klasse. «Ziel ist eine ganzheitliche Bildung und individuelle Förderung», erläuterte Bechberger-Derscheidt. Dem Konzept «Eine Schule für Alle» zufolge sollen alle Kinder einer Wohngegend ganztags eine gemeinsame schulische Bildung und Erziehung erhalten.

Behinderte Kinder sollen nach Ansicht des vor rund einem Jahr gegründeten Vereins grundsätzlich gemeinsam mit nichtbehinderten unterrichtet werden. Eine dreijährige Eingangsstufe solle ihnen das Erreichen der notwendigen Kompetenzen ermöglichen. Im Vordergrund stehe das Lernen ohne Sitzenbleiben und mit Kompetenzberichten statt Noten.

«Eine heterogene Schule erfordert ebenso ein heterogenes Lehrerkollegium», sagte Bechberger-Derscheidt. Deswegen sollte es an Schulen Kooperationen mit Psychologen, Medizinern sowie Handwerkern und Künstlern geben, um eine «größere Vielfalt der Ausbildung» zu gewährleisten.

Die Grünen begrüßten das Konzept der Initiative. «Es ist an der Zeit, das gegliederte Schulsystem aufzubrechen, da es sozial selektiv und nicht leistungsfähig ist», sagte Landesvorstandssprecher Daniel Köbler.

Dagegen kritisierte der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Johannes Müller: «Das Ziel ist richtig, der Weg ist falsch.» Jeder, der eine Schule für alle fordere, müsse das Gymnasium als Schulart abschaffen oder als Schule für alle etablieren, argumentierte Müller. Dies sei «völlig unrealistisch». Deswegen komme es auf Zwischenlösungen wie eine Zweigliedrigkeit der Schulstruktur an, um das Schulsystem schrittweise zu verändern.

Mainz (ddp-rps)