Im Schlussquartal blieb der Konzern, der in Deutschland vor allem durch seine Direktbank ING DiBa bekannt ist, nur dank seines Bankgeschäfts in den schwarzen Zahlen. Eine Abschreibung von 1,1 Milliarden Euro im Geschäft mit sogenannten Variable Annuities in den Vereinigten Staaten, einer besonderen Form der fondsgebundenen Rentenversicherung, drückte die Versicherungssparte in die Verlustzone. Wegen der anhaltend niedrigen Zinsen war die Nachfrage nach den Anlageprodukten stark eingebrochen. Absicherungsgeschäfte, mit denen der Konzern sein Eigenkapital schützen wollte, drückten zudem mit knapp 350 Millionen Euro aufs Ergebnis.
ING STELLT SICH AUF HOHEN SCHULDENSCHNITT EIN
Insgesamt blieb der Konzern zwischen Oktober und Dezember nur dank der Trennung von Unternehmensteilen wie dem Lateinamerika-Geschäft in den schwarzen Zahlen. Die Verkäufe brachten ING einen Gewinn 1,3 Milliarden Euro ein und führten zu einem Quartalsüberschuss von 1,2 Milliarden Euro.
Unterdessen wappnet sich ING für einen hohen Schuldenschnitt bei griechischen Staatsanleihen. Zum Jahreswechsel schrieb der Konzern den Wert seiner Griechenland-Papiere auf 20 Prozent des Nennwerts ab. Die weitere Wertberichtigung belastete das Ergebnis des Konzerns im vierten Quartal mit 199 Millionen Euro. Über das Jahr gesehen summieren sich die Belastungen aus dem Wertverlust griechischer Anleihen damit auf 978 Millionen Euro. Jetzt haben die Niederländer allerdings kaum mehr Risiken aus einem möglichen Zahlungsausfall Griechenlands in den Büchern: Der Wert der Papiere liegt nun bei rund 300 Millionen Euro.
RÜCKZAHLUNG DER STAATSHILFE ZIEHT SICH HIN
Weiterhin arbeitet ING daran, sich von seinem Nothelfer, dem niederländischen Staat, zu lösen. Der Konzern war in der Finanzkrise nach der Lehman-Pleite schwer getroffen worden. Die Regierung rettete das Unternehmen mit einer Finanzspritze von zehn Milliarden Euro. Die Rückzahlung der Hilfsgelder zieht sich möglicherweise länger hin als geplant. "Im Idealfall zahlen wir die Staatshilfen in diesem Jahr komplett zurück", sagte ING-Chef Hommen erst Mitte Januar. Eigentlich hätte das Thema im Mai abgehakt sein sollen. Doch die schwierige Lage an den Finanzmärkten macht es dem Unternehmen schwer, das Geld früher zusammenzubekommen.
Wegen der erhaltenen Staatshilfen muss sich das Unternehmen auf Geheiß der EU-Kommission von seinem Versicherungsgeschäft und der Vermögensverwaltung trennen. Dazu plant der Konzern mindestens zwei Börsengänge, einen in Europa und einen in den USA. Das Versicherungsgeschäft in Asien soll getrennt davon verkauft werden. Die ING-Aktie reagierte mit einem Kursrutsch auf die Nachrichten. Zum Handelsstart sackte das Papier um 4,52 Prozent auf 6,927 Euro ab, obgleich die Milliardenbelastung aus dem amerikanischen Versicherungsgeschäft bereits seit Dezember bekannt war.


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