Infineon spürt Gegenwind im ersten Quartal - Aktie steigt kräftig: (Neu: aktualisierter Aktienkurs, Analystenstimmen, Aussagen aus Telefon-PK)
Vergrößern Infineon spürt Gegenwind im ersten Quartal - Aktie steigt kräftig | Bild: © ad-hoc-news

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Halbleiterhersteller Infineon hat im ersten Geschäftsquartal wie erwartet die schwächere Konjunktur zu spüren bekommen und deutlich weniger Geld verdient. Vor allem das schwierigere Geschäft mit Industriechips drückte auf die Bilanz, zudem belastete ein Steuereffekt den Dax-Konzern zum Auftakt des Geschäftsjahres 2011/2012. Dennoch sieht Konzernchef Peter Bauer den Konzern weiter auf einem guten Weg. "Infineon ist trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds weiterhin sehr profitabel", sagte Bauer am Mittwoch in München bei der Vorstellung der Quartalszahlen.

Die im Dax notierte Infineon-Aktie gewann am Nachmittag 5,02 Prozent auf 7,326 Euro und lag damit an der Spitze des Leitindex. Nachdem sich die Börsianer am Morgen noch etwas skeptischer zum Ausblick und Zahlenwerk geäußert hatten, überwogen am Nachmittag die positiven Lesarten des Quartalsberichts. Die Analysten von Cheuvreux etwa haben Hoffnungen auf einen Wendepunkt für die ganze Branche im laufenden Quartal und hoben ihre Kursziel für die Aktie um einen Euro auf 8,50 Euro an. DZ-Bank-Analyst Schnitzer sprach von "ziemlich soliden Quartalsergebnissen", Thomas Becker von der Commerzbank attestierte einen "einwandfreien Ausblick" für das zweite Geschäftsquartal.

UMSATZ RÜCKLÄUFIG

Dabei hatte Bauer seine eher trübe Prognose für das gesamte Jahr nicht verändert - zu unsicher sind nach wir vor die Aussichten für die Weltwirtschaft. Für das Geschäftsjahr 2011/2012 (Ende September) rechnet der Konzern seit November mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich und einer Marge im niedrigen bis mittleren Zehnerprozentbereich. Für das im Januar gestartete zweite Quartal erwartet Bauer gleichbleibende Umsätze oder einen leichten Rückgang und eine um etwa einen Prozentpunkt geringere Marge.

Der Umsatz des Münchner Unternehmens sank in den drei Monaten seit Beginn des neuen Geschäftsjahres von 1,038 Milliarden Euro im Vorquartal leicht auf 946 Millionen Euro. Bei Halbleiterherstellern ist wegen der schwankenden Preise der Vergleich mit dem Vorquartal üblich. Das wichtige Segmentergebnis, das die betriebliche Entwicklung widerspiegeln soll, brach um 28 Prozent auf 141 Millionen Euro ein. Während Umsatz und das Segmentergebnis als operative Kenngröße weniger stark zurückgingen, als Analysten befürchtet hatten, blieb unter dem Strich weniger übrig als erhofft: Der Überschuss sank von 125 Millionen auf 96 Millionen Euro. Allerdings schlug hier auch ein Steuereffekt zu Buche und drückte den Gewinn.

SCHELTE FÜR POLITIK

Infineon hatte nach dem vergangenen Rekordjahr bereits die Erwartungen gedämpft und mit Blick auf die trüberen Aussichten und die ungelöste Eurokrise tiefgestapelt. Für das gesamte Jahr rechnet der Konzern seit November mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Vor allem die anhaltende Unsicherheit wegen der Eurokrise treibt den Manager um. "Die Politik hat sich in den vergangenen Wochen nicht immer glücklich verhalten", sagte Bauer.

Statt an gemeinsamen Konzepten für Europa zu arbeiten, erlebe er eine "Nationalstaaterei", die einen raschen Weg aus der Krise eher unwahrscheinlich mache. Für das eigentliche Geschäft seines Konzerns bleibt Bauer zuversichtlich, vor allem mit Blick auf die mittel- und langfristige Zukunft der Branche. Angesichts der boomenden Automärkte und der wachsenden Nachfrage nach moderner Technik für den Ausbau erneuerbarer Energien rechnet Infineon langfristig mit Wachstum. Aber auch kurzfristig sieht der Infineon-Chef in der Unterhaltungsbranche erste Tendenzen für eine Stabilisierung. Für die Chipkarten, wie sie etwa in Ausweisen stecken, rechnet Bauer mit einem unveränderten Umsatz. Im Industriegeschäft dürften die Erlöse weiter schmilzen.

STETIGE NACHFRAGE DER AUTOBAUER

Vor allem die Geschäfte mit der Autoindustrie machen Bauer froh, auch in der Unterhaltungsbranche sieht er erste Stabilisierungszeichen. "In unseren Märkten für Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit will Infineon auch künftig profitabel wachsen", sagte Bauer. Gerade die Halbleiterbranche spürt als Zulieferer für viele Industrien das wirtschaftliche Auf und Ab besonders früh und gilt als ein Gradmesser für die Konjunktur.

Bauer hatte den jahrelang kriselnden Konzern grundlegend umgebaut und kleiner gemacht, um Infineon von diesen branchentypischen starken Schwankungen deutlich unabhängiger zu machen - bisher mit Erfolg. Infineon hatte nach einer jahrelangen Durststrecke im Geschäftsjahr 2009/2010 erstmals wieder Gewinne geschrieben und das zweite Mal in seiner Geschichte überhaupt eine Dividende gezahlt. Der Konzern war 1999 aus dem Siemens-Konzern ausgegliedert worden. 2009 war das Unternehmen von der Pleite der Speicherchiptochter Qimonda beinahe mit in den Abgrund gerissen worden. Seither geht es bergauf.