Ifo-Präsident Sinn wirbt für Neubau von Kernkraftwerken: Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, wirbt für ein Festhalten an der Kernenergie. Notwendig sei nicht nur eine Verlängerung der Laufzeiten vorhandener Kraftwerke, sagte Sinn am Montag der Nachrichtenagentur ddp. Vielmehr brauche Deutschland auch neue Atomkraftwerke.
Vergrößern Ifo-Präsident Sinn wirbt für Neubau von Kernkraftwerken | Bild: © ddp

Sinn fügte hinzu, die Kernenergie sei «eine konkurrenzlos billige Form der Stromerzeugung». Im Übrigen handele es sich dabei auch um eine «grüne Technologie», weil kein CO2-Ausstoß entstehe. Der Ifo-Präsident riet der Bundesregierung, sich bei dieser Frage an anderen Ländern zu orientieren. Er betonte: «Es gibt kein einziges Land auf der ganzen Erde, das noch aus der Atomkraft aussteigt - Deutschland ist der Geisterfahrer auf der Autobahn.»

Es sei zwar «verständlich, wenn die Vertreter der erneuerbaren Energien den Atomstrom ablehnen und eine möglichst schnelle Abschaltung der Kraftwerke fordern». Aber deren Interessen seien «natürlich nicht identisch mit den Interessen der Verbraucher». Sinn fügte hinzu: «Je weniger Atomstrom produziert wird, desto höher ist der Strompreis - und desto eher kommen erneuerbare Energien über die Wettbewerbsschwelle hinweg.»

Zur Debatte über die Sicherheit von Kernenergie sagte Sinn: «Der fossile Strom ist ebenfalls sehr gefährlich, denn da haben wir den Treibhauseffekt.» Der Ifo-Präsident betonte: «Wir benutzen die Atmosphäre als Endlager für das CO2 - und mir kann kein Mensch erzählen, dass das weniger gefährlich sei, als kleine Mengen von radioaktiven Abfallstoffen in irgendwelchen Salzstöcken endzulagern.» Klar sei zudem, dass man eine Industriegesellschaft nicht nur mit Sonnen- und Windstrom betreiben könne: «Das ist absolut illusionär.»

ddp