METZINGEN (dpa-AFX) – Für den Modekonzern Hugo Boss soll es nach dem Krisenjahr 2009 wieder aufwärts gehen. Nachdem die Verbraucher dem Konzern 2009 einen Strich durch die Rechnung gemacht haben und die teuren Waren des Edelschneiders in den Regalen blieben, verspricht das Metzinger Unternehmen für 2010 wieder ein einstelliges Umsatzplus. Auch das operative Ergebnis soll wachsen und zwar stärker als die Erlöse. Im ersten Quartal wird Hugo Boss aber erst noch mal einen leichten Umsatzrückgang aufweisen, sagte Vorstandschef Claus-Dietrich Lahrs am Montag und erklärte das mit den zögerlichen Verhalten der Großhändler. Diese hatten ihre Ware bereits im Sommer 2009 bestellt als die Wirtschaftskrise noch voll im Gange war.

Mit einer Besserung der Geschäftslage rechnet der Vorstandschef aber spätestens ab dem zweiten Halbjahr. Sowohl die Verkäufe im Einzelhandel als auch die Bestellungen der Großhändler zu Beginn des Jahres hätten gezeigt, „dass das Pendel in die richtige Richtung schwingt“, sagte Lahrs. Die im MDax an der Frankfurter Börse gehandelte Aktie verlor zuletzt 0,82 Prozent auf 28,265 Euro.

AUSBAU DES EINZELHANDELS

Dafür, dass die Wachstumskurve auch in den kommenden Jahren nach oben zeigt, soll unter anderem das Netz eigener Läden sorgen, das Hugo Boss kräftig ausbauen will. „Der eigene Einzelhandel wird für uns klar der künftige Wachstumstreiber sein“, sagte Lahrs. 50 bis 60 neue Geschäfte will Hugo Boss pro Jahr weltweit aufmachen und denkt dabei vor allem an Asien und den amerikanischen Kontinent. Insbesondere in China sieht Lahrs großes Potenzial. Mit 20 Neueröffnungen pro Jahr soll das Land in den kommenden fünf Jahren unter die wichtigsten drei Einzelmärkte des Konzerns aufrücken.

Aber auch mehr Kundennähe und eine weitere Abgrenzung der einzelnen Boss-Marken untereinander hat sich der Vorstandschef auf die Fahnen geschrieben. Hugo Boss will verhindern, dass sich die einzelnen Labels unter einander Konkurrenz machen. Neue Marken hinzukaufen will Vorstandschef Lahrs aber nicht: "Wir sehen genügend Potenzial in unseren eigenen Marken."

Der Umsatz des vom Finanzinvestor Permira kontrollierten Konzerns soll so bis 2015 auf 2,5 Milliarden Euro steigen und das operative Ergebnis (EBITDA) auf 500 Millionen Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern im Zuge der Krise einen Umsatzrückgang von sieben Prozent auf 1,56 Milliarden Euro ausgewiesen. Das um Sondereffekte bereinigte EBITDA sank um sechs Prozent auf 270 Millionen Euro und der Nettogewinn um 7 Prozent auf 104 Millionen Euro. Die Verschuldung konnte Hugo Boss um gut ein Drittel gesenkt.

Besonders stolz zeigte sich Lahrs, dass es dem Konzern gelang, 2009 seinen Umsatz in dem sehr schwierigen Einzelhandelsmarkt USA zu steigern. Lahrs erklärte das mit der Positionierung der Marke und der Tatsache, dass die US-Verbraucher, sehr gezielt eingekauft haben. „Die Marke Boss steht für hohe Qualität zu einem interessanten Preis.“ Anders als bei vielen anderen Luxusdesignern bekomme man bei Boss einen Anzug nicht erst ab 2000 Dollar.

EUROPA-ANTEIL SINKT – MEHR MITARBEITER

Schwach lief das Geschäft hingegen in Europa. Derzeit steuert die Region noch rund 70 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Den Plänen des Hugo Boss-Managements zufolge soll dieser Anteil aber bis 2015 auf 54 Prozent sinken. Asiens Anteil soll sich auf gut 20 Prozent verdoppeln und Nord- und Südamerika ebenfalls zulegen.

Die Expansionspläne sollen sich auch bei der Mitarbeiterzahl bemerkbar machen. Hatte der Konzern im vergangenen Jahr noch Stellen abgebaut, sollen in diesem und in den Folgejahren neue hinzukommen. „Anders ist unser geplantes Umsatzwachstum nicht zu stemmen“, sagte Lahrs. Allein jedes neue Geschäft brauche im Schnitt zehn Mitarbeiter, darüber hinaus würden in den einzelnen regionalen Zentralen Stellen geschaffen. Aber auch am Standort Metzingen sollen neue Arbeitsplätze entstehen. „Metzingen und Umgebung werden das Herz von Hugo Boss bleiben“, sagte Lahrs. Ende 2009 beschäftigte Hugo Boss rund 9.000 Mitarbeiter weltweit.