Hamburg (dapd-nrd). Mähl stochert mit einem Messstab im Bohrloch und liest die Markierung ab. 'Das sind, jo, knapp 20 Zentimeter', sagt er. Aber eben nur knapp. Ob das Hamburger Alstereisvergnügen am Wochenende wirklich starten kann, ist damit noch nicht sicher.
Doch der Fachmann ist zuversichtlich. 'Alles, was so dunkel ist, ist das berühmte Kerneis', sagt er. Wegen des starken Frosts sei die Eisdecke in diesem Jahr sehr gleichmäßig. In einem zweiten Bohrloch zeigt der Messstab sogar 22 Zentimeter an. Trotzdem will Mähl sich noch nicht festlegen. 'Das ist ja nicht repräsentativ hier', sagt er. 'Wenn man zehn Zentimeter daneben bohrt, kann schon wieder ein anderes Ergebnis kommen.'
Die Umweltbehörde will kein Risiko eingehen. Bevor die endgültige Entscheidung über das Winterspektakel auf der Außenalster fällt, muss Mähl noch viele Löcher bohren. 'Was wir brauchen für ein erfolgreiches Alstervergnügen sind 20 Zentimeter blasenfreies Eis', sagt Behördensprecher Frank Krippner. Eine offizielle Freigabe der Eisfläche spreche die Behörde zwar grundsätzlich nicht aus. Die Eisläufer und Spaziergänger, die am Mittwochmorgen über die schneegefleckte Fläche gleiten, handeln auf eigene Gefahr. Für die Genehmigung des Alstereisvergnügens aber gibt es Vorgaben. Erst am Nachmittag sollte das Ja oder Nein zum Budenzauber fallen. Krippner geht davon aus, dass er dann eine gute Nachricht verkünden kann.
Wenn das Fest stattfindet, sollen Imbiss- und Getränkebuden jedoch am Ufer aufgestellt werden. So würden sich nicht so viele Menschen auf dem Eis zusammendrängen, und der Blick auf die Stadtsilhouette bliebe frei, sagt Krippner. Auch lande dann nicht so viel Müll auf der Alster. Mögliche Gefahrenzonen, etwa unter Brücken, an Einleitstellen oder in der Fahrrinne, sollen laut Behörde gegebenenfalls markiert werden.
Beim bisher letzten offiziellen Alstereisvergnügen vor 15 Jahren standen rund 150 Buden auf dem zugefrorenen innerstädtischen Gewässer - damals sei eine Dicke von 30 Zentimetern gemessen worden, sagt der Behördensprecher. Im Winter 2009/2010 hatte es trotz wochenlanger Kälte keine offizielle Genehmigung gegeben. Dennoch hatten sich Ende Januar 2010 an einem Wochenende 80.000 Hamburger auf eigene Gefahr auf die zugefrorene Außenalster gewagt.
Vor dem Betreten der Binnenalster warnt die Umweltbehörde ungeachtet der Messergebnisse im äußeren Teil des Gewässers. Weil an mehreren Stellen der Binnenalster Wasser zuläuft, sei die Eisdecke dort nicht stabil. 'Hier herrscht akute Lebensgefahr', sagt Krippner.
dapd


Forum
Facebook
Twitter





















