Mainz (dapd-rps).
Doch in der Baugrube für die Erweiterung des Hotels fand sich damals nichts weniger als eine Sensation: insgesamt fünf Schiffe aus der Römerzeit, die meisten gefertigt im 4. Jahrhundert. Wenige Monate später wurde in einer weiteren Baugrube am Rhein noch ein Frachter aus dem Jahr 89 nach Christus entdeckt.
Dreizehn Jahre später, am 25. November 1994, wurde in Mainz das eigens für die Funde gebaute Museum für Antike Schifffahrt eingeweiht, als eigene Abteilung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM). Es ist bis heute die größte Sammlung römischer Militärschiffe weltweit. 30 Jahre nach dem ersten Fund wird das Museum nun am Montag (12. Dezember) erneut eröffnet - im Mai 2010 hatte ein undichtes Dach die Schließung und Renovierung nötig gemacht.
Die Zeit habe man gut genutzt, in der neuen Ausstellung sei nun einfach 'alles anders', sagt Bockius, der heute Museumsleiter ist: Althergebrachtes werde neu inszeniert, Texte entstaubt und wesentliche Aspekte ergänzt. Schließlich präsentiere man ja nicht nur die sensationellen Mainzer Schiffsfunde, sondern die Geschichte der antiken Seefahrt insgesamt. Die Wissenschaftler des Museums seien im ganzen Mittelmeerraum unterwegs, in Bayern, Palermo oder Zagreb habe man schon gegraben und geforscht.
Die Ausstellung selbst zeige denn auch die Entwicklung von Wasserfahrzeugen vom 5. Jahrtausend vor Christus bis in die byzantinische Zeit des 10. Jahrhunderts nach Christus, betont Bockius. So gibt es die Rekonstruktion eines mit Tierhaut bespannten Einbaumes und die eines schweren byzantinischen Kriegsschiffs zu sehen, dazu Seekarten und die Ergebnisse aus wissenschaftlichen Einzelprojekten der vergangenen 15 Jahre.
In der neuen Ausstellung seien die Wracks neu angeordnet sowie abgetrennte Räume geschaffen worden, wodurch Wandfläche zur Verfügung stehe, erläutert Bockius. 'Man sieht jetzt mehr Meer und auch mehr Flair', verspricht der Museumsleiter - wie etwa die Kopien von Schiffsreliefs der Trajansäule in Rom, die nun auf einer gewölbten Plakatwand präsentiert werden können.
Inhaltlich sei 'der alte Mief des Konservativen so gut wie möglich weggekehrt' worden, sagt Bockius. Die Wissensvermittlung geschehe nun auf drei Ebenen: Auf blauen Tafeln werde in einfacher Sprache ein Überblick vermittelt, auf weißem Hintergrund werden breitere Informationen zum Thema Schifffahrt gegeben. Schließlich seien wissenschaftliche Details in Schubladen zum Aufziehen untergebracht. 'Wir sind bestimmt kein Event-Museum geworden', sagt Bockius. Ein 'Museum zum Anfassen' sei man jetzt aber schon. Der Besucher könne nun ganz praktisch einbezogen werden.
Stolz ist er auch auf das neue Dach: Dank des Konjunkturpakets des Bundes wurde es nicht nur abgedichtet, sondern auch mit einer Fotovoltaikanlage versehen. Mit der neuen Anlage soll künftig gespart werden, langfristig erhoffe er sogar einen kleinen Gewinn, sagt Bockius.
Das Geld kann das Museum gut gebrauchen: Im kommenden Jahr muss noch der Ausstellungsbereich für die zivile Seefahrt neu gestaltet werden. Und dann wird auf dem Nachbargrundstück noch der Neubau für den Umzug des gesamten Römisch-Germanischen Zentralmuseums errichtet. In der Antike floss an dieser Stelle noch der Rhein - weitere Funde von Römerschiffen sind also nicht ausgeschlossen.
dapd


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