Schmalkalden (dapd-lth). Holly und Jonas liegen müde auf ihren Kissen. Gerade haben die beiden Hunde ihre Arbeit am Staatlichen Förderzentrum 'Ludwig Bechstein' in Schmalkalden für diesen Tag beendet. Als 'Hilfslehrer' haben sie Frauchen Ulrike Porrmann fünf Unterrichtsstunden lang in ihrer 7b beigestanden.
Porrmann unterrichtet lernbehinderte Kinder - seit zweieinhalb Jahren mit der Unterstützung von Schulhunden. Schuldirektor, Lehrer, Kinder und Eltern sind begeistert. Doch Nachahmer haben sich in ganz Thüringen noch nicht gefunden.
Holly hat sich bereits am Morgen ein Lob von Ulrike Porrmann verdient. Der zwölfjährige Martin war wütend in den Klassenraum gestapft, nachdem er sich mit einem anderen Jungen gestritten hatte. Holly spürte die Spannung und stellte sich an Martins Seite. Erst streichelte der Junge mit dem Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) das Tier hektisch, dann wurde er immer ruhiger. Porrmann ist zufrieden. 'Holly hat ihren Job gut gemacht', lobt sie ihre siebenjährige Hündin.
Jonas, der zweite Schulhund, fühlt sich besonders zur autistischen Sophie hingezogen. 'Mit Holly und Jonas macht das Lernen viel mehr Spaß', schrieb Sophie kürzlich in einem Aufsatz. Ihr Klassenkamerad David sagt: 'Sie kommen zu einem, wenn man traurig ist.'
Die English Setter begleiten die Lehrerin fast täglich in die 7b. 'Hunde sehen mehr als Lehrer', sagt Porrmann. 'Sie reagieren genau auf den Seelenzustand eines Menschen'. Die Aufgabe der Hunde ist es vor allem, für eine entspannte Atmosphäre in der Klasse zu sorgen und die Kinder zu fördern - in ihrem Verantwortungsbewusstsein, ihrer Beziehungsfähigkeit, ihrem Selbstbewusstsein und in ihrem Mitgefühl.
Diese positiven Effekte seien in Studien nachgewiesen worden, sagt Lydia Agsten, die als Ausbilderin von Schulhunde-Teams arbeitet und das Internetprojekt 'Schulhundweb.de' betreibt. 'Introvertierte, ängstliche Kinder treten häufiger aus ihrer Isolation heraus, während hyperaktive und leicht reizbare Kinder spürbar ruhiger werden.' Der Hund nehme jedes Kind unvoreingenommen an, ob Sitzenbleiber, Raufbold oder Einzelgänger. 'Die Kinder spüren, dass der Hund keine besonderen Erwartungen an sie hat und so haben sie durch ihn keinen Stress', erklärt Agsten.
Auch der Vorsitzende der Elterninitiative pro Förderschule, Alexander Rathnau, begrüßt das Projekt. 'Die Kinder werden ruhiger, lernen Rücksicht zu nehmen und es wird ein angenehmeres Lernklima geschaffen', sagt er.
Rund 1.000 Schulhunde sind nach Schätzungen Agstens bundesweit an Schulen eingesetzt. 142 Schulen haben sich auf ihrer Internetseite registrieren lassen, besonders viele Schulhunde gibt es in bestimmten Regionen in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg.
Um ein Schulhunde-Projekt auf die Beine zu stellen, bedarf es großer Eigeninitiative der Pädagogen. Die regelmäßige Weiterbildung in tiergestützter Pädagogik und Therapie trägt Ulrike Porrmann selber. Auch die Versicherung ihrer Hunde in der Schule ist ihre Angelegenheit. Der Direktor der Schmalkaldener Förderschule, Jens Baumgärtel, würde das Projekt gerne auf andere Klassen ausweiten. Der positive Einfluss der Hunde auf die Kinder sei deutlich. Doch nicht jedes Tier ist für diesen Job geeignet. Ein solches Projekt an der Schmalkaldener Schule musste abgebrochen werden, weil der Hund mit dem Stress nicht zurechtkam.
Das Interesse an Holly und Jonas ist groß. Immer montags reisen die Hunde und ihr Frauchen zu Projekttagen an andere Schulen in Südthüringen. 'Die Kollegen und vor allem die Kinder sind begeistert', schwärmt Porrmann. Das gilt auch für ihre eigenen Schüler. Seit Kurzem steht in ihrer Küche eine Hundefutterbank, die die Kinder als Dankeschön für Holly und Jonas gezimmert haben.
dapd


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