Dafür wird seit Herbst 2008 das Stadion der örtlichen «Buchbinder Legionäre» für 1,4 Millionen Euro WM-tauglich aufgerüstet, 500 000 Euro stammen vom Verein, der Rest von der Stadt und vom Bayerischem Landessportverband. In der schmucken Armin-Wolf-Arena gegenüber einem riesigen Kalkabbau-Gelände wachsen derzeit beeindruckende Stahlgerüste in den Donauuferhimmel, um pro Spiel 10 500 Zuschauern Platz zu bieten, sechs Spiele sollen es werden.
Die Gerüste werden von einer Spezialfirma aufgestellt und standen zuletzt beim Formel-1-Rennen in Valencia. Seit Tagen arbeiten freiwillige Helfer daran, die Sitzschalen zu installieren. Insgesamt haben die Organisatoren bundesweit gut 150 Unterstützer gefunden, die mit Eifer dabei sind, von Bauhelfern über den Fahrdienst bis zum Ordnungsdienst: «Da hat sich ganz Baseball-Deutschland eingesetzt», sagt Philipp Hoffschild vom Regensburger Organisationsteam - selbst Nationalspieler.
18 000 der 42 000 Tickets sind inzwischen verkauft. Laut Hoffschild eine großartige Quote. Erfahrungsgemäß komme noch sehr viel Publikum an der Abendkasse hinzu. Für die Stadt ist das Sport-Ereignis eine gute Werbung, gilt Regensburg doch - zumindest den Eingeweihten - als Baseball-Hochburg. Die örtliche Mannschaft gewann 2008 erstmals die deutsche Meisterschaft, schied vor kurzem erst im Halbfinale gegen die Mannheim Tornados aus und bemüht sich stark um die Nachwuchsförderung, sagt Swoboda.
Die Armin-Wolf-Arena, deren Errichtung 1998 im Ortsteil Schwabelweis zwei Millionen Mark gekostet hat, sei in ihrer Art «einzigartig in Deutschland» und ein «richtiges Zuhause für diese Sportart», sagt der zweite Bürgermeister Gerhard Weber (CSU), in Regensburg für Sport zuständig. Der Werbeeffekt sei nicht zu verachten. Deshalb sei das Geld, das die Weltkulturerbestadt vor allem für dauerhafte Infrastrukturmaßnahmen investiert habe, gut angelegt. Weber rechnet mit vielen Fernsehteams aus Amerika, die mit Sicherheit auch über den Austragungsort berichten werden: «Das ist eine hervorragende Geschichte.»
Dass in Regensburg überhaupt um die diesjährige Weltmeisterschaft mitgespielt wird, liegt auch an der Erfahrung der Stadt mit Großereignissen. Als bekannt wurde, dass die WM Station in Deutschland macht, sei auch gleich klar gewesen, dass das die Regensburger machen sollen, sagt Christian Swoboda, Pressesprecher des Organisationsteams, selbstbewusst: «Schlaflose Nächte haben wir nicht.»
Zum anderen spielt wohl auch die Strategie des Weltverbands International Baseball Federation (IBAF) eine Rolle, die Sportart in Europa populärer machen zu wollen. «In Europa liegt die Zukunft des Baseballs», sagt IBAF-Sprecher Masaru Wokoo. So eine WM verbessere automatisch die Infrastruktur und das Interesse für das Spiel mit Ball und Langholz.
Ein weiterer Grund für die Baseball-Werbung auf dem europäischen Kontinent sei, dass man die Sportart unbedingt wieder in das olympische Programm hieven will. 2012 in London wird man die Männer mit ihren langen Hosen und Schlaghölzern nicht sehen. Baseball-Anhänger empfinden das als unfair. Schließlich sei das Spiel entgegen landläufiger Meinung «keine amerikanische Sportart», sagt Swoboda: Weltweit verzeichne der Baseball 280 Millionen Aktive, beim Fußball seien es nur 230 Millionen. Und Rekordweltmeister sind nicht die USA sondern Kuba mit 25 Titeln.
Der vor allem auf beiden amerikanischen Kontinenten und in Asien viel betriebene Sport geht also auf Sympathie-Tour in Europa. Neben Regensburg sind die weiteren Vorrunden-Spielorte Barcelona, Prag, Stockholm und Zagreb. Die Finalrunden spielen sich dann in den in Europa bisher führenden Baseball-Nationen Niederlanden und Italien ab.
Die Chancen der deutsche Mannschaft auf den WM-Titel gelten als nicht sehr hoch. Bei der WM 2007 erreichte die Mannschaft nur Rang 13. Allerdings gelang damals mit einem 2:0 gegen Thailand der erste WM-Sieg überhaupt. Hoffschild allerdings ist optimistisch. Er hat neben einigen weiteren Regensburgern gute Aussichten, gegen Venezuela, China und die USA im Nationalteam aufzulaufen. Die Aussicht, bald gegen die Amerikaner spielen zu können, macht ihn nicht nervös. Zuletzt, bei einem Turnier in Kanada, hätten die Deutschen sogar gewonnen: «Wir», sagt Hoffschild, «sind frech geworden».
ddp/joj/kos

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