Im April 2004 vereinbaren die US-Streitkräfte und Aufständische in der belagerten irakischen Stadt Falludscha, einer Hochburg des sunnitischen Widerstands, eine 24-stündige Feuerpause. Der Arzt Alain (Matthias Habich) und die Niederländerin Kim (Thekla Reuten), die für eine Hilfsorganisation arbeiten, nutzen das Zeitfenster, um mit einem ungepanzerten Kleinbus dringend benötigte Medikamente zu einem zerschossenen Krankenhaus in Falludscha zu bringen.

Als der junge deutsche TV-Reporter Oliver (Max von Pufendorf) in Bagdad von dem riskanten Vorhaben erfährt, schließt er sich dem Duo an. Auch sein erfahrener Kameramann Ralf (Hannes Jaenicke) überwindet seine anfänglichen Bedenken, hofft er doch auf spektakuläre Bilder. Auch ohne die nötigen Papiere starten die vier mit dem einheimischen Fahrer Husam (Husam Chadat) zu einem Trip, der sie in höchste Gefahr bringt.

Der Nachwuchsregisseur Lancelot von Naso erzählt nicht wie die meisten US-Produktionen aus der Soldatenperspektive, sondern aus der Sicht von Helfern und Journalisten. Ohne je ins Pädagogische abzudriften, wirft «Waffenstillstand» brisante Fragen wie die nach den Grenzen humanitärer Hilfseinsätze oder dem Sinn einer Kriegsberichterstattung auf, die vor allem auf spektakuläre Bilder setzt.

Gedreht wurde der Low-Budget-Film, der bereits mehrere Preise, darunter den Interfilm-Preis der ökumenischen Jury auf dem World Film Festival in Montréal 2009, gewonnen hat, unter schwierigen Bedingungen in Marokko. Da verzeiht man dem 1976 in Heidelberg geborenen Regisseur gern, wenn manches Feuergefecht nicht so realistisch aussieht wie in den um ein Vielfaches teureren Hollywoodfilm.

Der Regisseur nutzt die Ausgangskonstellation häufig zu einer kammerspielartigen Konzentration auf enge Spielflächen wie den Kleinbus oder Innenräume. Auch wenn die Dialoge stellenweise zu sehr ausufern und manche Wendung sich erahnen lässt, so gibt die Story dem Ensemble doch reichlich Gelegenheit zur Entfaltung seines Könnens.

Den stärksten Eindruck hinterlässt Matthias Habich als ausgebrannter Arzt, der die Strapazen nur noch mit Drogen übersteht, und Thekla Reuten als Hilfskraft, die vom humanitären Ethos getrieben auch schon mal zur Notlüge greift. Dagegen gewinnt Max von Pufendorf als ehrgeiziger Reporter zu wenig Konturen, und Hannes Jaenicke sonnt sich zu selbstgefällig in der Rolle des ebenso smarten wie abgebrühten Skeptikers. Angesichts der Rahmenbedingungen ist von Naso alles in allem ein beachtlicher Einstand gelungen.

(«Waffenstillstand», Kriegsdrama, Deutschland 2010, 102 Minuten, FSK: 12, Regie: Lancelot von Naso, Darsteller: Matthias Habich, Thekla Reuten, Hannes Jaenicke, Max von Pufendorf, Husam Chadat, u. a.)

Kinostart: 18. März 2010 in ausgewählten Kinos, bundesweit am 1. April)

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