Die übrigen Kennzahlen hatte Heidelberger Druck bereits Mitte Januar veröffentlicht und angesichts der weiterhin rückläufigen Nachfrage ein Sparprogramm im Volumen von 180 Millionen Euro und den Abbau von bis zu 2.000 Stellen angekündigt. Die Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern laufen. Heidelberger Druck spart seit Jahren dem schrumpfenden Markt hinterher und hat bereits einen Radikalumbau mit tausenden Stellenstreichungen hinter sich. "Wir wollen diesmal auf der sicheren Seite sein und nicht nochmal eine Restrukturierung machen", sagte Schreier vor Journalisten.
WARTEN AUF BESTELLUNGEN
Zwar steigt der Bedarf an Gedrucktem in den Schwellenländern und auch im Verpackungsdruck sieht es nicht übel aus. Aber die zunehmende Digitalisierung in den Medien nagt seit geraumer Zeit an den Umsätzen der Druckereien, die im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld Investitionen in die komplexen Maschinen scheuen.
So halbierten sich die Investitionen der vor allem mittelständisch geprägten Druckereien von Spitzenwerten im Jahr 2001 auf im Krisenjahr 2009 nur noch 1,6 Prozent des Druckvolumens. Bis zum Jahr 2015 erhofft sich Heideldruck eine Erholung dieser Quote auf 2,2 bis 2,7 Prozent, wie Vorstandschef Bernhard Schreier vor Journalisten sagte. Der Manager hatte eigentlich mit einer schnelleren Erholung des Druckmaschinenmarktes gerechnet, kassierte aber angesichts des unsicheren Umfelds im vergangenen Herbst die Jahresprognose ein. Im Januar kündigte Schreier an, die Kapazitäten des Konzerns um 15 Prozent zu reduzieren. Aktuell seien die Werke nur zu rund Dreiviertel ausgelastet.
WACHSTUM BEI FARBEN & CO. GEPLANT
Für das Geschäftsjahr rechnet der Vorstand mit einem Umsatz von rund 2,6 Milliarden Euro - soviel wie im Vorjahr. Die Umsatzschwelle, ab der das Unternehmen Gewinn macht, will das Management mit dem Ab- und Umbauprogramm auf unter 2,4 Milliarden Euro senken. Im laufenden Jahr soll sich das operative Ergebnis zunächst spürbar verbessern, nachdem es im vergangenen Geschäftsjahr 2010/2011 (Ende März) 4 Millionen Euro erreichte. Im Geschäftsjahr 2013/2014 will Heideldruck rund 150 Millionen Euro schaffen.
Neben dem Verkauf von Neumaschinen und Ersatzteilen samt Service will sich Heideldruck ein größeres Stück vom Kuchen des Marktes mit Verbrauchsmaterialien sichern. Der hatte laut Schreiern 2010 ein weltweites Volumen von 7,8 Milliarden Euro und dürfte in den kommenden Jahren weiter zulegen. Heideldruck wolle alles rund um die Druckmaschine anbieten "außer Papier", wie der Manager sagte. Seine aktuell 3 Prozent Marktanteil an diesem Markt, der etwa Farben oder Druckplatten umfasst, will Heideldruck künftig auf 15 Prozent verfünffachen. Dabei sollen die Service- und Vertriebsmitarbeiter, die sich bislang vor allem um die Maschinen gekümmert haben, auch als Verkäufer beispielsweise für Druckfarben auftreten.
MESSE ALS HOFFNUNGSPUNKT
Eine Belebung bei den Aufträgen erhofft sich Schreier von der im Mai anstehenden wichtigsten Branchenmesse drupa in Düsseldorf. "Bislang war jedes Messejahr ein Spitzenjahr." Allerdings habe es in der 60-jährigen Geschichte der alle vier Jahre stattfindenden Schau nie so eine Schwächephase wie jetzt gegeben. Trotz der ungewissen Ausgangslage rechnet Schreier aber mit einem Plus bei den Bestellungen. Das dürfte sich dann erst im neuen Geschäftsjahr, das im April startet, bemerkbar machen.
In der Zeit zwischen Oktober und Dezember führte die abermals rückläufige Nachfrage für Druckmaschinen in den Industrieländern aber erneut zu einem Schwund bei den Bestellungen von 684 auf 642 Millionen Euro und einem Rückgang bei den Erlösen von 687 Millionen auf 631 Millionen Euro. Beide Werte fielen etwas höher aus, als der Konzern zunächst im Januar auf Basis vorläufiger Zahlen berichtet hatte. Operativ schaffte der Kummer gewöhnte Marktführer gerade noch eben so vor Sonderfaktoren einen Gewinn von 2 Millionen Euro.


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