Hebammen demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen: Bayerische Hebammen sind in der Münchener Innenstadt für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Zu der Demonstration hatten der Bayerische Hebammenlandesverband (BHLV) und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam aufgerufen. Nach Schätzungen von Polizei und BHLV nahmen rund 550 Menschen an der Demonstration teil.
Vergrößern Hebammen demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen | Bild: ©

Auch viele Familien mit Kindern schlossen sich den Veranstaltern zufolge dem Protestzug an. Die BHLV-Vorsitzende Iris Edenhofer wertete die Aktion als vollen Erfolg.

Eine in einer Klinik angestellte Hebamme muss Edenhofer zufolge teilweise fünf Gebärende gleichzeitig betreuen. Das habe nicht nur Auswirkungen auf die Qualität der Betreuung, sondern auch auf die der Ausbildung. Für Praxisanleitung bleibe zu wenig Zeit. Auszubildende müssten oft Vollzeitkräfte ersetzen und sich selbstständig um Gebärende kümmern.

Für nicht fest in Krankenhäusern angestellte Hebammen stellten besonders die hohen Kosten für eine Berufshaftpflichtversicherung ein großes Problem dar. Diese haben sich Edenhofer zufolge in den vergangenen zehn Jahren verzehnfacht. Von dem ohnehin schon niedrigen durchschnittlichen Jahresgehalt von 23 300 Euro gingen damit rund 3600 Euro jährlich für die Versicherung ab.

«Unsere Ausgaben sind inzwischen so hoch, dass wir es uns nicht mehr leisten können, noch Geburtshilfe zu machen», sagte Edenhofer und machte unter anderem die Krankenkassen dafür verantwortlich. Sie klagten häufig gegen Hebammen und sorgten so dafür, dass die Kosten für die Haftpflichtversicherung stiegen. Das sei nicht nur ein Problem für die Hebammen, sondern auch für Ärzte. Es gehe insgesamt ums Gesundheitswesen, argumentierte die BLHV-Vorsitzende: «Das ist alles nicht mehr tragbar.»

Die Grünen-Landtagsfraktion stellte sich hinter die Hebammen. Die Grünen-Landesvorsitzende und Gesundheitsexpertin der Fraktion, Theresa Schopper, kritisierte, immer mehr Hebammen zögen sich aus der Geburtshilfe zurück, da sie sich die Versicherung nicht mehr leisten könnten. Das wirke sich «natürlich» negativ auf die Versorgung in Bayern aus. Besonders in strukturschwachen Regionen seien Hebammen jedoch besonders wichtig. Schopper fordert deshalb: «Die Hebammen müssen eine in angemessener Relation zu ihrem Einkommen stehende Haftpflichtprämie bekommen.»

Auch die bayerische Staatsregierung unterstützt die Forderungen. Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) stellte klar: «Ihre Anliegen sind von großer Bedeutung.» Die Verantwortung liege aber auf Bundesebene. Bayern habe sich bereits für die Belange der Hebammen eingesetzt.

Der Beruf der Hebamme ist laut Zahlen des Landesamts für Statistik- und Datenverarbeitung ein reiner Frauenberuf. Mehr als die Hälfte der 595 festangestellten Hebammen in Bayern arbeiten den Angaben zufolge zudem in Teilzeit.

ddp