Berlin (dapd-bln). Die Tiere zu kontrollieren, ist die Aufgabe von Derk Ehlert, Deutschlands einzigem städtischen Wildtierbeauftragten.
'Hier sind frische Fuchsspuren!', freut sich Ehlert, der mit festem Schuhwerk und olivgrüner Funktionsjacke vor Sträuchern unweit des Potsdamer Platzes steht. Der studierte Landschaftsplaner ist für alle in Berlin lebenden Tiere zuständig, die nach dem Jagdgesetz jagbar sind. Schon seit neun Jahren macht er den Job. Damals habe Berlin unter einer regelrechten Wildschweinplage gelitten, weswegen die Senatsverwaltung einen Jagdreferenten eingeführt habe, sagt der 43-Jährige. Jetzt im Winter ziehe es besonders viele Wildtiere in die Wärme- und Futterquelle Berlin, auch weil in den Wäldern gerade gejagt werde.
Füchse zählen zu den Lieblingen des Wildtierbeauftragten. Er bewundere ihre Anpassungsfähigkeit und Intelligenz, sagt der gebürtige Berliner. So lebe etwa am Potsdamer Platz eine Füchsin, die erst bei Grün über die Straße gehe und sich vor zwei Jahren mitten im Berlinale-Betrieb auf dem Roten Teppich habe fotografieren lassen. Ein anderer, besonders listiger Fuchs hat sich sogar diplomatische Immunität gesichert: Er hat sich auf einem Botschaftsgelände einquartiert, wohin ihm kein deutscher Beamter folgen darf. 'Ich verrate nicht, um welche Landesvertretung es sich handelt, aber der betreffende Staat tut ansonsten nicht viel für den Tierschutz', sagt Ehlert.
Gelegentlich müssen der Wildtierbeauftragte oder die Berliner Landesforste auf Anfrage von Anwohnern durchaus mal ein Wildtier aus seinem Revier vertreiben. Doch das Jagen mit Waffen ist innerhalb der Stadtgrenzen strengstens verboten und auch sogenannte Lebendfallen werden nur selten genehmigt. Glücklicherweise ließen sich Füchse ohne großen Aufwand aus einem Gebiet vertreiben, sagt Ehlert. 'Einfach mal einen Hund im Fuchsrevier sein Geschäft verrichten lassen und der Fuchs sucht in der Regel das Weite.'
Denn in der Stadt sind Hunde praktisch die einzigen Feinde von Füchsen. Deshalb gehören eingefriedete Gelände wie Kitas zum Unmut vieler besorgter Mütter zu den Lieblingsrevieren von Füchsen. 'Ich gebe oft Informationsveranstaltungen an Kitas, um die Eltern zu beruhigen', sagt der Wildtierbeauftragte. In Berlin habe seit 20 Jahren kein Fuchs mehr Tollwut oder Bandwürmer gehabt, fügt er hinzu. Trotzdem sollten Menschen niemals versuchen, Füchse zu streicheln oder gar hochzuheben. 'Das mögen sie gar nicht und schnappen dann schon mal zu', sagt Ehlert.
Für Herbert Lohner, Naturschutz-Experte beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), kann die Vermittlerrolle des Berliner Wildtierbeauftragtem zwischen Natur und Bevölkerung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. 'Herr Ehlert berät in erster Linie die Bürger, wie sie mit den Tieren gefahrlos zusammenleben können, was der klassische Jäger nicht leisten kann', sagt Lohner. Für ihn hat der Wildtierbeauftragte daher Vorbildfunktion für andere Städte.
'Wir können gar nicht alle Wildtiere aus Berlin vertreiben, selbst wenn wir es wollten', sagt Ehlert. Lege man die Fläche der Hauptstadt zugrunde, treffe man mittlerweile nirgendwo in Deutschland so viele verschiedene Tierarten an wie in Berlin. Egal ob Fuchs, Waschbär oder Wildschwein, für Berlins Wildtierbeauftragten sind sie keine Gefahr, sondern eine Bereicherung. 'Sie sind Überbringer einer Natur, die uns in der Stadt fehlt', sagt der 43-Jährige.
dapd


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