Hartings hartes Jahr: «Es tut tierisch weh»: Berlin (dpa) - Robert Harting kann kaum noch laufen - aber sein Diskus fliegt und fliegt und fliegt. «Es tut tierisch weh. Noch so ein Jahr schaffe ich nicht. Ich kann meine Sporttasche nicht mal mehr die Treppe hochtragen», sagte der zweifache Weltmeister nach seinem Heim-Sieg beim Berliner ISTAF.
Vergrößern Hartings hartes Jahr: «Es tut tierisch weh» | Bild: © dpa

Auch im Olympiastadion, der Stätte seines ersten WM-Triumphes von 2009, enttäuschte der Diskus-Hüne seine Fans nicht. 67,22 Meter - wieder schlug Harting die gesamte Konkurrenz aus dem Ring. Der 19. Sieg in Serie dürfte ein «Hausrekord» für die Ewigkeit sein.

Nach seinem Erfolg beim 70. Internationalen Stadionfest der Leichtathleten humpelte Harting pflichtbewusst zur Pressekonferenz. Seine Leidensgeschichte ist nicht neu, aber beeindruckend. Seit Wochen trainiert und wirft und kämpft der 26-Jährige mit einer entzündeten Patellasehne im linken Knie. Trotzdem flog seine Zwei-Kilo-Scheibe immer weiter als die Wurfgeräte der Rivalen.

Seit über 13 Monaten ist der 2,01 Meter große und 126 Kilo schwere Lausitzer nun schon unbezwungen. Der letzte, der Harting eine Niederlage beibringen konnte, war der Spanier Mario Pestano am 8. August 2010 im schweizerischen Nottwil. Die Siegerurkunde kann sich der WM-Elfte von Daegu schon mal einrahmen.

Am Freitag lässt Harting eine MRT-Untersuchung seines Knies machen. «Da weiß ich dann, wie es damit weitergeht», meinte er. Schon am Donnerstag kann er seine stolze Siegesserie beim Meeting in Tallinn fortsetzen. Als letzter Wettkampf im WM-Jahr steht am 18. September Bad Köstritz auf seinem Zettel. Da hatte Harting im Vorjahr gewonnen. Allerdings müsse er jetzt «erst sehen, wie das Knie im Training reagiert».

Berlin war Pflicht für den Lokalmatador. «Das ISTAF - das ist einfach der Herzschlag der deutschen Leichtathletik.» Aber warum tut sich der Chef im Ring diese kräftezehrende und riskante Kür an? Die Sehne könnte reißen, warnten die Ärzte schon vor der Weltmeisterschaft Ende August in Südkorea.

«Bis zur Verletzung hatte ich die Form, 70 Meter zu werfen», versichert Harting, der am 21. Mai - drei Monate vor der WM - mit 68,99 Meter in Halle/Saale seine Saisonbestmarke aufstellte. Für zwei Zentimeter weniger gab's in Daegu Gold.

«Ich habe mir für heute alles vorgenommen, auch weit zu werfen. Das Knie kühlt aber in den Pausen aus und schmerzt», erklärte der Weltmeister. Harting ist Profi, mit seiner ganzen Routine konnte er das Handicap in den vergangenen Wochen überspielen. Dann «funktioniert die Wurfbewegung trotzdem». Nur: Wie lange noch?